Überraschend hohes Wachstum in der Arzneimittelsparte – Schwächere Dynamik bei Flüssigkristallen
Merck KGaA legt im Pharmageschäft zu

Steigende Pharmaumsätze, weitere Zuwächse in der Spezialchemie und einige Sondererträge haben der Darmstädter Merck KGaA im dritten Quartal ein unerwartet kräftiges Gewinnwachstum beschert. Für das Gesamtjahr stellt das Unternehmen weiterhin ein Gewinnplus von mehr als 150 Prozent in Aussicht.

shf DARMSTADT. Für die ersten neun Monate meldete Merck gestern einen Anstieg des Gewinns um 132 Prozent auf 587 Mill. Euro. Dazu haben Sondererträge aus dem Verkauf der Laborhandelstochter VWR, die man bereits im ersten Halbjahr verbuchte, maßgeblich beigetragen. Im dritten Quartal alleine stieg der vergleichbare operative Gewinn um 42 Prozent auf 214 Mill. Euro, der Netto-Gewinn um 43 Prozent auf 121 Mill. Euro. Der Umsatz lag mit 1,35 Mrd. Euro zwar um rund ein Viertel unter dem Vorjahresniveau. Bereinigt um den VWR-Verkauf legte Merck allerdings sieben Prozent zu.

Für den Darmstädter Konzern, der in keiner Beziehung zu dem US-Pharmariesen Merck & Co steht, erweist sich dabei die Kombination von Chemie und Pharma einmal mehr als stabilisierender Faktor. Wurde im ersten Halbjahr der operative Gewinn vor allem von dem boomenden Geschäft mit Flüssigkristallen beflügelt, hat in den vergangenen Monaten das Pharmageschäft wieder größeres Gewicht erlangt. Zwar legten die Generikaumsätze nur marginal zu. Dagegen verbuchte Merck im Geschäft mit Originalmedikamenten, das im ersten Halbjahr noch schrumpfte, nun ein Plus von 16 Prozent.

Im Chemiebereich erzielten Flüssigkristalle mit einem Zuwachs von 18 Prozent weiterhin das stärkste Wachstum. Allerdings hat sich die Dynamik damit gegenüber dem ersten Halbjahr (als die Sparte noch fast 70 Prozent zulegte) deutlich abgeschwächt. Zudem sank die operative Marge der Chemiesparte damit von 26 Prozent auf 19 Prozent, was im Analystenlager für einige Skepsis sorgte. Ein Rückgang der Flüssigkristall-Margen könne langfristig schwerer wiegen als die überraschende und kaum haltbare Gewinnverbesserung bei Pharma, kommentierten Experten der Deutschen Bank die Zahlen. Die Merck-Aktie indessen legte gestern gut ein Prozent zu.

Für das Schlussquartal rechnet Merck in der Sparte mit stabilen Erlösen. Mittelfristig geht man davon aus, mit dem Markt für Flachbildschirme um jährlich etwa 30 Prozent zu wachsen. Dank stetiger Neuentwicklungen werde man dabei die hohen Margen in diesem Bereich vorerst halten können, sagte Firmenchef Bernhard Scheuble.

Im Pharmabereich profitierte Merck unterdessen sowohl von wieder anziehenden Erlösen mit Herz- und Diabetesmedikamenten als auch von der erfolgreichen Markteinführung des Krebsmittels Erbitux, das inzwischen in den meisten europäischen Ländern zugelassen ist. Merck verbucht mit Erbitux inzwischen Monatsumsätze von mehr als neun Mill. Euro und dürfte damit die ursprüngliche Umsatzprognose von 45 Mill. Euro für das Gesamtjahr 2004 weit übertreffen.

Einen wichtigen Beitrag zum Pharmaergebnis lieferte eine Zahlung von 27 Mill. Euro des US-Partners Forest Laboratories, der die Zulassung für das von Merck entwickelte Alkolhol-Entwöhnungsmittel Campral erhalten hatte. Eine weitere Einmalzahlung von 22,5 Mill. Euro erwartet der Konzern aus einem Deal mit dem US-Konzern Lilly, der die Vertriebsrechte an einem neuartigen, von Merck entwickelten Wirkstoff gegen Schlaflosigkeit erworben hat. Das Mittel befindet sich in Phase I der klinischen Prüfungen.

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