Überraschender Gewinn
Sanierung von Ford schlägt an

Um Ford stand es schlecht, griffen die Amerikaner doch lieber zu sparsamen japanischen oder europäischen Kompaktwagen statt zu PS-protzenden Mini-Trucks aus heimischer Produktion. Doch überraschenderweise hat Ford nach sieben Verlustquartalen in Folge wieder Gewinn geschrieben, und das gar nicht mal so wenig. Der Umschwung ist aber teuer erkauft.

HB DETROIT. Das Nettoergebnis habe im zweiten Vierteljahr 750 Mill. Dollar betragen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Vor einem Jahr stand noch ein Verlust von 317 Mill. Dollar zu Buche. Selbst ohne Sonderfaktoren, wie etwa dem Erlös aus dem Verkauf der britischen Luxusmarke Aston Martin, erzielte Ford einen Gewinn von 258 Mill. Dollar. Analysten hatten einen Verlust erwartet.

„Wir sind sehr ermutigt von dem deutlichen Fortschritt“, erklärte Vorstandschef Alan Mulally, der im vergangenen Jahr seinen Job angetreten hatte, am Donnerstag. Selbst auf dem schwachen US-Heimatmarkt konnte Ford den Abwärtstrend stoppen und seinen Marktanteil leicht auf 15,6 Prozent steigern nach 15,1 Prozent zu Jahresbeginn. Der Umsatz stieg um 5,5 Prozent auf 44,2 Mrd. Dollar. Dennoch rechnet Ford bis 2009 nicht mit einem Jahresgewinn.

Ford steckt mitten in einer Umstrukturierung, die nun offenbar anschlägt. Allein im zweiten Quartal senkte Ford seine Gesamtkosten um 600 Mill. Dollar. Insgesamt sollen in Nordamerika bis zu 45 000 Jobs wegfallen und 16 von 41 Werken geschlossen werden. Grund für die Probleme sind der schleppende Absatz in der Vergangenheit und die überbordenden Gesundheitskosten für die Mitarbeiter. In 2006 hatte Ford deshalb einen Rekordverlust von 12,6 Mrd. Dollar eingefahren.

Zur Sanierung gehört auch der Verkauf von Marken. Aston Martin ging bereits für 848 Mill. Dollar an den Rennsport-Unternehmer David Richards. Auf der Abschussliste stehen des weiteren Jaguar und Land Rover. Erste Interessensbekundungen seien eingegangen, erklärte Ford. Ob die Marken letztlich verkauft würden, sei aber noch nicht sicher.

Zu den Bietern zählen nach früheren Medienberichten die Finanzinvestoren Cerberus, Ripplewood und One Equity Partners. Alle drei haben sich entweder ehemalige hochrangige Automanager zur Unterstützung besorgt oder sind wie Cerberus mit dem Kauf von Chrysler bereits heute aktiv in der Branche.

Darüber hinaus werden einige Autofirmen als mögliche Käufer genannt, allen voran die indische Tata Motors und deren heimischer Konkurrent Mahindra & Mahindra. Tata überlegt sich demnach ein Gebot zusammen mit seinem italienischen Partner Fiat. In Marktspekulationen fiel darüber hinaus der Name des südkoreanischen Autokonzerns Hyundai. Überdies sollen sich aufstrebende chinesische Autobauer für die beiden britischen Luxusmarken interessieren.

Früheren Medienberichten zufolge zieht Ford auch einen Verkauf des schwedischen Autoherstellers Volvo in Erwägung. Als Interessent wird unter anderem BMW gehandelt. Von den Bayern hieß es dazu lediglich: „reine Spekulation“.

Laut Analysten könnten die Ford-Zahlen für etwas Entspannung an den US-Kreditmärkten sorgen. „Die Anleihen von Ford und GM waren seit Jahren als Problemfälle angesehen worden“, sagte ein Händler. Derzeit herrscht große Unsicherheit, weil viele Hauskäufer in den USA ihre Schulden nicht bezahlen können. Das drückt auch auf Anleihe- und Aktienmärkte. Einige Finanzdienstleister mussten bereits hohe Summen abschreiben oder zurückstellen.

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