Überraschender Rücktritt
RWE-Aufseher liebäugeln mit Schneider

Der Aufsichtsrat des Energiekonzerns RWE arbeitet mit Hochdruck an der Neubesetzung des Aufsichtsratsvorsitzes. Da der Wunschkandidat, Thyssen-Krupp-Chef Ekkehard Schulz, vermutlich keine Freigabe erhält, gilt Ex-Bayer-Chef Manfred Schneider als Favorit, wie es aus dem Umfeld des Gremiums heißt. Die wichtige Personalie soll in der kommenden Woche geklärt sein.

DÜSSELDORF/HANNOVER. Der bisherige Chef des Kontrollgremiums, Thomas Fischer, hatte am Mittwoch zur Hauptversammlung des Unternehmens Aufsichtsräte und Aktionäre mit der Ankündigung seines Rücktritts überrascht. Noch am Abend versuchten führende Aufseher, die Neubesetzung zu regeln.

Alle Beteiligten seien sich einig, dass sich RWE keine lange Hängepartie leisten könne, heißt es. Noch einmal sei Schulz, der schon vor längerem als potenzieller Nachfolger Fischers ausgeschaut worden war, bekniet worden. Der Stahl-Manager ist inzwischen bei seinem eigenen Unternehmen aber stark gebunden, der Stahlhersteller leidet unter der Wirtschaftskrise und ist zu einem radikalen Umbau gezwungen. Schulz habe trotzdem zugesagt, noch einmal mit dem Vorsitzenden der Krupp-Stiftung, Berthold Beitz, zu sprechen. Auf Nachfrage bekräftigte ein Sprecher von Thyssen-Krupp am Donnerstag aber, dass Schulz den Vorsitz des RWE-Aufsichtsrates nicht übernehmen werde.

Damit läuft alles auf Schneider hinaus, der auch bereit sein soll, den Posten zu übernehmen. Schneider wird in diesem Jahr zwar schon 71 Jahre alt und ist Aufsichtsratschef von Bayer und Linde. Er wäre aber für die kommenden zwei Jahre ein guter Übergangskandidat. So lange läuft das Mandat der Kapitalvertreter.

Fischer hatte seinen Rücktritt offiziell mit persönlichen Gründen erklärt, während der Sitzung aber auch auf ständige Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat verwiesen. Bei anderen Aufsehern stieß dies ebenso auf Verärgerung wie die Tatsache, dass Fischer den Vorsitz zwar ablegen, sein Mandat aber behalten wolle. Der Rücktritt sei gekonnt inszeniert, hieß es. Fischer habe ohnehin mit einer Abwahl rechnen müssen.

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