Überraschender Vorstoß
Aktivisten attackieren Vodafone

Der Mobilfunkriese Vodafone kommt nicht zur Ruhe: Die Diskussion über eine Aufspaltung des Konzerns ist wieder aufgeflammt, seit sich eine bisher unbekannte Anleger-Aktivistengruppe mit einem offenen Brief an die Vodafone-Aktionäre gewandt hat. Große Investmentfonds nahmen deren Vorschläge alledings zurückhaltend auf.

LONDON. Börsenspekulationen über eine Aufspaltung des Vodafone-Konzerns haben mit dem überraschenden Vorstoß einer bisher unbekannten Anleger-Aktivistengruppe neue Nahrung bekommen. Große Investmentfonds und Analysten nahmen die Vorschläge der Gruppe allerdings überwiegend zurückhaltend auf. Die Vodafone-Aktie stieg zunächst um knapp vier Prozent, gab aber fast alle Kursgewinne am Nachmittag wieder ab.

Die Aktivistengruppe Efficient Capital Structures (ECS) wandte sich am Mittwochabend mit einem offenen Brief an die Vodafone-Aktionäre. Danach will sie auf der Hauptversammlung des Konzerns am 24. Juli eine neue Kapitalstruktur zur Abstimmung stellen. Sie soll den Aktionären eine Wertsteigerung von 17 bis 38 Mrd. Pfund (35 bis 56 Mrd. Euro) bescheren.

Im Einzelnen schlägt ECS vor, den 45-Prozent-Anteil Vodafones am US-Mobilfunker Verizon Wireless durch Ausgabe einer separaten Aktienklasse (Tracking-Shares) vom Mutterkonzern zu trennen, ohne ihn zu veräußern. So könnten sich Aktionäre direkt an der florierenden US-Sparte beteiligen. Das verbleibende Geschäft, so ECS, ähnele mit zuverlässigem Cash-Flow bei geringem Gewinnwachstum dem eines Energieversorgers. Darum solle Vodafone darauf Anleihen im Volumen von 34 Mrd. Pfund aufnehmen und an die Aktionäre ausgeben. An Stelle der unterbewerteten Vodafone-Aktie hielten die Anleger dann am Ende drei Wertpapiere, deren Gesamtwert den aktuellen Aktienkurs um 21 bis 46 Prozent überschreiten werde.

Ein Vodafone-Sprecher lehnte die Vorschläge ab: Diese entsprächen nicht den Interessen der Anteilseigner. Die Agentur Dow Jones nannte am Donnerstagabend drei Beteiligungsfonds, die maßgeblich an Vodafone beteiligt sind und übereinstimmend sagten, nichts vom ECS-Vorstoß zu halten – eine höhere Verschuldung durch die Anleihe wäre eher Besorgnis erregend und nicht im Sinne einer langfristigen Wertsteigerung.

ECS sei speziell für diesen Vorstoß gegründet worden, sagte ein Vertreter von ECS dem Handelsblatt. Financier sei die Wagniskapitalfirma Beehive Capital. Die Initiative vereine mit ihren 200 000 Aktien nicht einmal ein Promille der Vodafoneanteile; allerdings haben sich ihr offenbar 100 Aktionäre angeschlossen. Diese Zahl reicht laut Aktiengesetz, um Vodafone zu zwingen, die Vorschläge aufzunehmen.

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