Überraschendes Ergebnis

BMW erreicht Rekordgewinn

Neue Bestmarken für BMW: Der Autohersteller hat den Gewinn im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert gesteigert – trotz hoher Ausgaben für das Elektroauto i3. Auch die Aktionäre profitieren vom erfolgreichen Jahr.
Update: 13.03.2014 - 13:26 Uhr Kommentieren
BMW auf der Automesse in Genf: Die Modelle kommen gut bei den Kunden an, 2013 war ein Rekordjahr. Quelle: AFP

BMW auf der Automesse in Genf: Die Modelle kommen gut bei den Kunden an, 2013 war ein Rekordjahr.

(Foto: AFP)

MünchenBMW bricht wieder Rekorde: Der Autobauer hat den Gewinn im vergangenen Jahr gesteigert. Trotz hoher Ausgaben für neue Autos und des scharfen Wettbewerbs verdiente der Konzern unter dem Strich gut 5,3 Milliarden Euro, 4,5 Prozent mehr als im alten Rekordjahr 2012.

„Wir haben im abgelaufenen Geschäftsjahr neue Bestmarken bei Absatz und Konzernergebnis erzielt und alle angestrebten Ziele erreicht“, teilte BMW-Chef Norbert Reithofer überraschend am Donnerstag in München mit. Das Plus geht vor allem auf das Konto der neu ausgerichteten Motorradsparte und der Finanzdienstleistungen, während der Gewinn der Autosparte schrumpfte. Der Umsatz lag mit gut 76 Milliarden Euro ein Prozent niedriger als 2012.

Der Münchner Hersteller verkaufte 2013 so viele Autos wie noch nie: insgesamt 1,96 Millionen BMW, Mini und Rolls-Royce. Das waren mehr, als Audi und Mercedes aufweisen konnten, auch wenn man nur die Kernmarke BMW mit 1,66 Millionen verkauften Fahrzeugen betrachtet.

Trotzdem brach der operative Gewinn in der Kernsparte um 12,4 Prozent auf 6,66 Milliarden Euro ein. Denn BMW gab viel Geld aus für den Bau des Elektroautos i3 samt teurer Werbekampagne, für neue Modelle und für Preisnachlässe, die sich die Branche im krisengeschüttelten Europa eingebrockt hat.

Die Stärken und Schwächen von BMW
Germany Earns BMW
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Stärke 1: Sicherheit durch Großaktionäre: Seit mehr als 50 Jahren hat BMW einen Großaktionär, um den die Münchener in der Branche beneidet werden. Gut 48 Prozent der Stimmrechte halten Johanna Quandt sowie ihre Kinder Stefan Quandt und Susanne Klatten. Am Bekenntnis zu dem Erbe ihres Vaters lassen die Kinder wenig Zweifel: Beide nehmen als Mitglieder des Aufsichtsrats aktiv Einfluss auf die Geschicke des Unternehmens. Das Ergebnis ist eine stetige Unternehmenspolitik, die den Kapitalmarkt nicht mit kurzfristigen Renditen beeindrucken will. Dennoch fährt BMW Spitzengewinne ein und schüttet in diesem Jahr eine Rekorddividende aus.

Susanne Klatten wird 50
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Strategin und Hauptaktionärin Susanne Klatten lenkt die Geschicke des Autobauers BMW: Regelmäßige Strategiewechsel wie bei Daimler („integrierter Technologiekonzern“, „Welt AG“) sind den Münchenern fremd. Stattdessen punktet BMW mit frühzeitigen Weichenstellungen im Kerngeschäft. So investierte BMW in Spritspar-Techniken und hat damit heute einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber Daimler. Für die Zukunft haben sich die Quandts und BMW noch einiges vorgenommen. Insbesondere Susanne Klatten hat mit ihrem Einstieg bei SGL Carbon eine strategische Entscheidung getroffen. In einem Joint Venture produzieren der Autobauer und der Chemiekonzern Karosserien aus Kohlefaser in Serie. VW-Patriarch Ferdinand Piëch ist düpiert. Als VW überraschend SGL-Anteile kaufte, sicherten sich Klatten und BMW kurz darauf eine Sperrminorität.

Germany BMW
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Stärke 2: Volle Kassen. Noch nie war BMW so profitabel wie heute. Längst operiert die Autosparte deutlich über dem Zielkorridor von acht bis zehn Prozent Umsatzrendite. Das Ergebnis ist eine schon fast überbordende Liquidität. Inzwischen hortet der Konzern Barmittel von mehreren Milliarden Euro. Noch ist unklar, was die Münchener mit dem Geld vorhaben. Die Aktionäre sollen eine Dividende erhalten, fast die Hälfte davon geht an die Großaktionäre der Quandt-Familie. Ein weiterer Teil steckt der Konzern in die Entwicklung alternativer Antriebe. BMW produziert mit dem i3 das erste deutsche Elektroauto in Großserie und will in den nächsten Jahren als erster Autohersteller der Welt weitere Modelle mit Karosserien aus Kohlefaser in großen Stückzahlen an den Markt bringen.

BMW Produktion im Werk Regensburg
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Außerdem steht die Erweiterung der Produktion in China auf dem Programm, in Russland und den USA sollen ebenfalls die Fertigungen ausgebaut werden. Ein Großteil des Geldes dürfte jedoch als Polster für schlechte Zeiten dienen und sichert BMW am Kapitalmarkt ab. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren aufgrund seiner guten Finanzlage sein Rating deutlich verbessert. Als ausgeschlossen gilt ein Zukauf in der Autosparte. BMW hatte 1994 den Massenhersteller Rover übernommen und war anschließend in Schieflage geraten.

BMW car emblems are pictured next to production line of German car manufacturer's plant in Dingolfing
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Stärke 3: Die Marke ist ein Magnet. Das wohl größte Vermögen der Münchener schlummert in ihren Markenwerten. BMW, Mini und Rolls-Royce sind weltweit ausgezeichnet positioniert. Die Kunden sind bereit, mehr zu zahlen als für ein Allerweltsprodukt. Alleine BMW wird mittlerweile auf einen Markenwert von über 22 Milliarden Dollar geschätzt, damit ist die Marke deutlich mehr wert als die Konkurrenten Daimler und Audi. In den guten Namen wird reichlich investiert. So eröffneten die Münchener für fast eine halbe Milliarde Euro ein Abholzentrum direkt neben dem Stammwerk. Die „BMW-Welt“ gilt mittlerweile als die größte Touristenattraktion der Stadt und zieht mehr Besucher an als das Schloss Neuschwanstein.

Employee places emblem on BMW at production line of German car manufacturer's plant in Dingolfing
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Peinlich genau wird das Emblem angebracht. Und peinlich genau legt BMW Wert auf strikte Markentrennung. Mini, BMW und Rolls-Royce laufen über strikt getrennte Vertriebskanäle. In Markenlabors werden Verkäufer und Händler geschult, um die Zielgruppen klar voneinander zu trennen. Die Aufteilung lautet: Mini ist hip und cool, BMW steht für Sachlichkeit und Präzision, Rolls-Royce ist der Luxus für die Superreichen. Angedockt werden Submarken. So startet unter dem Namen "BMW i" ein Label für die geplanten Elektroautos. Der hohe Markenwert hilft aber nicht nur dem Absatz. BMW zählt bei Umfragen seit Jahren zu den beliebtesten Arbeitgebern in Deutschland - ein wichtiger Trumpf im Kampf um die Köpfe von morgen.

The 'BMW i3 Concept' of luxury carmaker BMW is displayed during a car presentation in Frankfurt
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Stärke 4: Vorreiterrolle beim Leichtbau. Der „i3“ verfügt neben einem vollelektrischen Antrieb auch über eine Karosserie aus Kohlefaser. Das bereits im Flugzeugbau erprobte Material soll das Gewicht der Batterien kompensieren und dem „i3“ einen Vorsprung vor der Konkurrenz verschaffen. Gemeinsam mit dem Kohlefaserspezialisten SGL Carbon wurde ein Joint Venture gegründet, um die Kohlefaser in den USA herzustellen. BMW selbst verarbeitet den Werkstoff in den Standorten Wackersdorf, Landshut und Leipzig. An dem strategisch wichtigen Zulieferer SGL Carbon haben der Autobauer und BMW-Großaktionärin Susanne Klatten jetzt kombiniert 43 Prozent und damit gegenüber Volkswagen mit acht Prozent das Sagen. Der Nachteil: Noch ist Kohlefaser mindestens um den Faktor zehn teurer als Stahl und schwer zu verarbeiten. Nur hohe Stückzahlen und große Fortschritte im Verarbeitungsprozess machen eine solche Produktion rentabel. Die wahren Kosten des Abenteuers Kohlefaser lassen sich für BMW und seine wichtigste Anteilseignerin bislang nur erahnen.

Die Rendite (Ebit-Marge) schrumpfte hier auf 9,4 Prozent – das sind weniger als die 10,8 Prozent aus dem Jahr zuvor und weniger als die 10,1 Prozent des Konkurrenten Audi. Bei Daimler, dem dritten im Bunde, der 2020 die Nummer Eins im Premiumsegment sein will, blieb pro verkauftem Wagen deutlich weniger hängen: Die Pkw-Sparte Mercedes-Benz warf 2013 eine Rendite von 6,2 Prozent ab. Die Oberklasse-Autobauer leiden unter der Dauerkrise in Europa, wo sie fast die Hälfte ihrer Fahrzeuge verkaufen. Zudem wurde der Wettbewerb im weltgrößten Automarkt China zuletzt härter.

2014 soll der Konzernabsatz weiter steigen. „Voraussichtlich werden wir dabei die Marke von zwei Millionen Fahrzeugen übertreffen“, bekräftigte BMW-Chef Norbert Reithofer. Dazu bedarf es nur eines Zuwachses von knapp zwei Prozent. Ursprünglich hatte BMW dieses Ziel für 2016 angepeilt. In der Branche wird für die Pkw-Märkte weltweit 2014 etwas mehr Wachstum erwartet; die Nachfrage nach teuren Limousinen und Geländewagen der Oberklasse dürfte dabei kräftiger anziehen.

Über Spitzenwerte dürfen sich auch die Aktionäre freuen: Vorstand und Aufsichtsrat wollen der Hauptversammlung am 15. Mai vorschlagen, die Dividende auf 2,60 (2,50) Euro je Stammaktie und 2,62 (2,52) Euro je Vorzugsaktie anzuheben. Davon profitiert vor allem die Familie Quandt, die rund 47 Prozent der Anteile hält. Deren Mitglieder Susanne Klatten und Stefan Quandt sollen – wie weitere Aufsichtsräte – ihre Mandate für fünf Jahre verlängert bekommen.

  • dpa
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