Überraschungscoup im Übernahmestreit: Enel und Endesa haben ihre Regierungen hinter sich

Überraschungscoup im Übernahmestreit
Enel und Endesa haben ihre Regierungen hinter sich

Der Überraschungscoup von Enel in Spanien wirft viele Fragen über die wahren Beweggründe des italienischen Energieversorgers auf. Als sicher gilt es in Branchenkreisen allerdings, dass die beiden Regierungen von Italien und Spanien ihre Finger mit im Spiel haben.

MAILAND/MADRID. Die beiden Ministerpräsidenten Romano Prodi und José Luis Rodríguez Zapatero hatten sich erst vor gut einer Woche auf den Balearen getroffen und – so wird vermutet – die Bildung einer „Südfront“ gegen Eon vereinbart. Möglicherweise ebneten die beiden Regierungschefs in diesem Zusammenhang auch den Weg für einen Einstieg der spanischen Telefónica bei Telecom Italia und eine Fusion der Autobahnbetreiber Abertis und Autostrade.

Für eine Intervention der Regierungen spricht auch, dass Enel sich zu 30 Prozent im Staatsbesitz befindet und daher in jedem Fall die Zustimmung der Regierung für den Einstieg bei Endesa benötigt. In Spanien wartet man nun gespannt darauf, wie die Deutschen auf die überraschende Wende reagieren werden.

Die EU-Kommission, die schon ein Verfahren gegen Madrid wegen seiner Blockadehaltung zur Endesa-Übernahme durch Eon eingeleitet hatte, gab sich am Mittwoch offiziell gelassen. Der Einstieg von Enel bei Endesa sei allein eine Angelegenheit der Märkte, sagte ein Sprecher von Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes. Unternehmen in Staatseigentum hätten genauso das Recht, ein Gebot für Konkurrenten abzugeben, wie private Unternehmen.

Der Enel-Coup wird in Rom auch als Reaktion auf die deutsch-französische Achse gesehen. Bei den Franzosen stört die Italiener vor allem, dass französische Konzerne in der Welt expandieren können, während Paris gleichzeitig ausländische Unternehmen fern hält. Auch die Tatsache, dass sich Deutsche und Franzosen gegen die von der EU favorisierte Trennung von Stromnetz und -produktion stark gemacht haben, ärgert die Italiener. Enel etwa hat das eigene Netz, das heute bei der Gesellschaft Terna gebündelt ist, schon vor einigen Jahren verkauft.

Seite 1:

Enel und Endesa haben ihre Regierungen hinter sich

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%