Übersicht über geplante Regelungen
Autohersteller haben unterschiedliche Arbeitszeitregelungen

Die 35-Stunden-Woche ist für die Autohersteller in Deutschland längst nur noch ein Ankerpunkt für unterschiedlichste Vereinbarungen mit ihren Betriebsräten.

HB STUTTGART. Eine kurze Übersicht über geltende und geplante Regelungen:

Volkswagen: VW hat für seine sechs westdeutschen Werke einen Haustarifvertrag, der eine Vier-Tage-Woche mit einer Arbeitszeit von 28,8 Stunden vorsieht. Das Lohnniveau liegt etwa 20 Prozent über dem Flächentarif der Metall- und Elektrobranche. Personalvorstand Peter Hartz will die Arbeitskosten binnen sechs Jahren nun um 30 Prozent senken, für 24 Monate sollen die Löhne überhaupt nicht steigen. Die Arbeitszeitkonten sollen auf bis zu 400 Stunden ausgeweitet werden. Innerhalb dieser Spanne werden keine Überstundenzuschläge fällig. Neue Mitarbeiter will VW von 2005 an nur nach dem Flächentarif entlohnen. An den Standorten in Ostdeutschland gilt bereits der Flächentarifvertrag.

Daimler-Chrysler: An der 35-Stunden-Woche hält das Unternehmen grundsätzlich fest. Im Zuge des im Juli vereinbarten Sparpakets über 500 Millionen Euro sollen die Mitarbeiter in der Entwicklung aber bei Bedarf bis zu 40 Stunden arbeiten können - mit vollem Lohnausgleich, jedoch ohne Überstundenzuschläge. In Dienstleistungs-Bereichen wie Werkschutz oder Kantine arbeiten die Beschäftigten künftig 39 Stunden pro Woche und werden nach einem Ergänzungstarifvertrag geringer bezahlt als ihre Kollegen in der Auto-Produktion. Als Gegenleistung sind für die 160.000 Mitarbeiter in Deutschland bis 2012 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen. Viele Mitarbeiter haben zudem Arbeitszeitkonten, die um bis zu 300 Stunden auf- oder abgebaut werden können.

BMW: Die 79.500 Mitarbeiter in Deutschland arbeiten nach dem Flächentarifvertrag für die Metall- und Elektrobranche. BMW hat allerdings schon vor Jahren flexible Arbeitszeit- und Schichtmodelle entwickelt, von denen es einige Hundert gibt. Die Betriebslaufzeit in den einzelnen Werken kann mit Zustimmung des Betriebsrats nach oben oder unten angepasst werden. Im neuen Werk in Leipzig, in dem ab 2005 der 3er-BMW produziert werden soll, kann die Werkleitung innerhalb eines Korridors von 60 bis 140 Stunden pro Woche sogar autonom entscheiden, wie lange die Bänder laufen. Nach der Einigung auf gewisse Öffnungsklauseln im Flächentarifvertrag will BMW in Gesprächen mit dem Betriebsrat Möglichkeiten zu einer weiter Flexibilisierungen der Arbeitszeit prüfen, um die Kosten zu senken. Eine pauschale Einführung der 40-Stunden-Woche sei aber nicht geplant.

Ford: 26.000 Mitarbeiter in Köln und Saarlouis arbeiten 37,5 Stunden pro Woche, wovon 2,5 Stunden über Freischichten und Zeitkonten ausgeglichen werden. Dadurch soll die Auslastung an die Nachfrage angepasst werden. Im März hat der Betriebsrat auf Lohnerhöhungen bis Februar 2005 verzichtet, dann steigen die Entgelte um zwei Prozent. Weihnachtsgeld und übertarifliche Zulagen wurden gekürzt. Damit soll ein dreistelliger Millionenbetrag eingespart werden. Im Gegenzug sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2005 ausgeschlossen.

Opel: Im unterausgelasteten Stammwerk in Rüsselsheim ist die Wochenarbeitszeit noch bis Oktober je nach Auftragslage bis auf 30 Stunden verkürzt. Die Beschäftigten werden aber für 32,6 Stunden bezahlt. Angestellte verzichten täglich auf zehn Minuten ihres Zeitkontos, Führungskräfte auf zwei Tage Urlaub. Im Juli wurden je Woche 33 Stunden gearbeitet. Bis Ende Oktober soll eine neue Vereinbarung ausgehandelt werden. Der Betriebsrat peilt die Fortführung des Modells bis 2008/09 an und fordert bis 2010 den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Generell gilt ein Arbeitszeitkorridor von 30 bis 38 Stunden. Für die rund 7600 Beschäftigten in Bochum wird über eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 38 Stunden verhandelt, um die Lohnkosten zu senken und 800 Jobs zu sichern. Im Werk Eisenach wird nach dem dort gültigen Flächentarif 38 Stunden pro Woche gearbeitet.

Porsche: Im Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen gilt die 35-Stunden-Woche. Nach einem Standortsicherungsvertrag aus dem Jahr 2000 können dort aber nachfrageabhängig bis zu 200 Stunden auf Arbeitszeitkonten gebucht oder von ihnen abgebaut werden. Im Boom des Jahres 2002 hatte Porsche die Flexibilität fast vollständig ausgenutzt, inzwischen sind die Konten wieder nahezu ausgeglichen. Im Werk Leipzig gilt ein Haustarifvertrag mit 38 Stunden pro Woche. Eine 40-Stunden-Woche sei nicht nötig, hieß es. Die Porsche-Mitarbeiter erhalten zudem eine jährliche Gewinnbeteiligung von mehreren tausend Euro.

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