Üppige Geschenke
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Daimler-Mitarbeiter

Um bessere Aufträge zu bekommen, soll eine Firma an Daimler-Leute teure Geschenke verteilt haben. Nun ist die Staatsanwaltschaft den Mitarbeitern auf der Spur - auch eine Ehefrau soll geschmiert worden sein.
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DüsseldorfBei Daimler und der Staatsanwaltschaft Stuttgart laufen die Ermittlungen nach der jüngsten Korruptionsaffäre. Seit 2010 sind sowohl Mitarbeiter des Autokonzerns als auch ein Verantwortlicher eines Filterbauers aus Waiblingen im Visier der Ermittler. Laut der „Stuttgarter Zeitung“ handelt es sich um die Firma Weis Industries. Deren Geschäftsführer und persönlich haftender Gesellschafter soll üppige Geschenke an die Daimler-Leute verteilt haben. Diese hätten seiner Firma wiederholt Aufträge zugeschanzt und bessere Angebote von Konkurrenten ignoriert.

Wie viele Angestellte bei Daimler genau ins Visier der Fahnder geraten sind, wollte die zuständige Staatsanwaltschaft in Stuttgart nicht bekanntgeben. Daimler ließ zudem offen, ob die Mitarbeiter weiter beschäftigt sind. Offenbar ist aber auch die Ehefrau eines Mitarbeiters unter Tatverdacht. „Sie hat die teuren Geschenke gerne angenommen“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die gesamte Dimension des Falles will die Staatsanwaltschaft nicht öffentlich machen. „Es handelt sich aber nicht um Millionenbeträge.“ Ein konzernübergreifendes System könne man hinter den Taten ebenfalls nicht erkennen. Wann die Ermittlungen abgeschlossen seien, könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gesagt werden. Daimler weist darauf hin, dass der Konzern selbst den Anstoß für die Ermittlungen gegeben habe, nachdem er einen Tipp bekommen habe. „Wir gehen jedem Hinweis auf Unregelmäßigkeiten nach. In diesem Fall hat sich der Hinweis nach Überprüfung erhärtet“, sagte eine Sprecherin. Weitere Kommentare wollte sie nicht abgeben.

Die Firma Weis wollte sich bis Redaktionsschluss gar nicht zu dem Fall äußern. Daimler steht unter besonderer Beobachtung. Der Autobauer steht noch bis März 2013 unter dem „Monitoring“ des früheren FBI-Chefs Louis Freeh. Die US-Behörden wachen darüber, dass Daimler sauberere Geschäftspraktiken anwendet. Zuvor hatten die Börsenaufsicht SEC und das US-Justizministerium die Stuttgarter beschuldigt, zehn Jahre lang in mindestens 22 Ländern Regierungsbeamte bestochen zu haben, um an lukrative Aufträge zu kommen.

Daimler hatte sich für schuldig bekannt und einem Vergleich über 185 Millionen Dollar zugestimmt. Daimler reagierte und installierte mit der Ex-Verfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt einen Vorstand für „Recht und Integrität“.

Seitdem werden alle Führungskräfte weltweit geschult. Zudem wurde ein „Whistleblower-System“ eingeführt, über das Mitarbeiter anonyme Hinweise über Verfehlungen geben können. Solche Meldesysteme haben in Deutschland neben Daimler auch Siemens und MAN eingeführt.

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