Außer Eon und RWE haben sich unter anderem die italienische Enel und Fortum aus Finnland an regionalen Kraftwerksgesellschaften beteiligt. Der größte und im Zuge der Reform auch letzte Stromerzeuger aus dem UES-Imperium, OGK-1, steht kurz davor, von der staatlichen Gesellschaft Dubai World und dem russischen Investor Roskommunenergo für 5,34 Mrd. Dollar übernommen zu werden. Dies wäre die erste Investition aus Nahost im russischen Energiesektor.
Russlands Elektrizitätswirtschaft lockt zwar mit steigender Nachfrage – doch es bleiben Risiken, vor allem politische: Zwar steht das Bekenntnis der Führung, bis 2011 die freie Tarifgestaltung einzuführen, doch bis dahin müssen die künstlich niedrigen Preise kräftig steigen. Sollte der neue Präsident Dmitrij Medwedjew, auch angesichts des hohen Inflationsrisikos für die russische Wirtschaft, langsamer vorgehen, könnte dies einige Kraftwerksgesellschaften und ihre Investitionspläne in Schwierigkeiten bringen. Branis von Prosperity Capital ist allerdings zuversichtlich, dass die Politiker den Zeitplan für die Liberalisierung der Tarife einhält: „Die Regierung ist vor allem daran interessiert, Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, sagt er. Der einzige Weg dahin sei, mit der Reform weiter zu machen.
Zumindest in einer Frage hat Medwedjew schon eindeutig Flagge gezeigt: Einem geplanten Gemeinschaftsunternehmen des Gaskonzerns Gazprom, der sich aus dem UES-Erbe die Kontrolle über den Moskauer Versorger Mosenergo gesichert hat, und des größten russischen Kohleförderers Suek erteilte er eine klare Absage. Die Gefahr, dass ein staatlicher Monopolist durch den nächsten ersetzt wird, scheint für den Augenblick gebannt.

