Ulrich Bez im Interview
Aston-Martin-Chef: Politik trägt Mitschuld an Autokrise

Aston-Martin-Chef Ulrich Bez macht den Staat für die Misere in der Autoindustrie mitverantwortlich. Im Interview mit Handelsblatt.com fordert er deshalb Finanzhilfe für die Hersteller bei der Entwicklung von Elektroautos und erklärt, wieso die Erwartungen an die neuen Antriebe weit übertrieben sind - und warum dies ein großer Fehler ist.

Die Finanzkrise hat die Bankenwelt ins Wanken gebracht. Viele ihrer einstigen Kunden haben den Job oder zumindest sehr viel Geld verloren. Fährt die Finanzwelt noch mit einem Aston Martin in die City oder nicht doch eher mit einem Zug zum Bahnhof Cannon Street?

Sicherlich sind wir genauso betroffen wie andere Hersteller, die im Luxus-Segment unterwegs sind. Ich würde deswegen allerdings nicht gleich sagen, dass wir ins Wanken kommen, dafür sind wir schlicht zu klein. Dennoch haben wir unsere Produktionszahlen zurückgefahren.

Weltweit ist der Automarkt eingebrochen. In Großbritannien, dem traditionellen Stammland von Aston Martin, sieht es aber besonders bitter aus. Wie hart trifft Aston Martin das?

Der britische Markt ist stark eingebrochen. Aber während wir früher 80 Prozent unserer Verkäufe in England hatten, sind wir heute viel stärker auch auf anderen Märkten in der Welt vertreten. Wir verkaufen rund 30 Prozent unserer Autos in Europa, 30 Prozent in Amerika und nur noch 30 Prozent in England. Auch wenn wir im Dezember 2008 gegenüber 2007 ein Absatzplus von 15 Prozent in Großbritannien erzielen konnten, so schloss das Gesamtjahr mit einem Minus von 28 Prozent. Gleichzeitig konnten wir aber in verschiedenen Ländern deutliche Zuwächse verbuchen. In Deutschland etwa haben wir im vergangenen Jahr ein Plus von 15 Prozent eingefahren, ähnlich gut sieht es in Italien oder Frankreich aus. Hinzu kommen noch Länder in Osteuropa oder in Asien, die wir gerade erst begonnen haben zu erschließen.

Trotzdem haben sie im Dezember angekündigt, fast ein Drittel der Arbeitsplätze abzubauen. Ist das Ende der Fahnenstange damit erreicht?

Niemand kann das Ende der Fahnenstange absehen. Die gesamte Branche – OEM und Zulieferindustrie – befindet sich zurzeit in einem dichten Nebel, und wie bei einem Autofahrer bleibt auch den Unternehmen nichts anderes übrig, als die Geschwindigkeit soweit zu reduzieren, wie man sehen kann. Wir beobachten aufmerksam, was bei den großen Automobilherstellern passiert, haben aber auch ein Auge auf Unternehmen außerhalb der Autoindustrie, die im gleichen Segment wie wir agieren.

Dieser Nebel, von dem sie sprechen, hat drastische Folgen, weil das ein oder andere Unternehmen darin gegen die Wand zu fahren droht. Überrascht sie das Ausmaß der Krise?

Nicht ganz. Automobilunternehmen und Zulieferer haben zwar ein gerütteltes Maß an Flexibilität, aber diese reicht natürlich bei einer derartig lang andauernden Unsicherheit nicht mehr aus. Jedes Unternehmen, mag es noch so gesund sein, muss harte Maßnahmen ergreifen, wenn etwa eine Monatsproduktion von 100 000 Autos auf dem Hof steht oder Teile vom Zulieferer nicht abgenommen werden. Davon sind natürlich auch die großen und starken Firmen betroffen.

Sie selbst waren als Berater eines großen Herstellers, der jetzt tief in der Krise steckt, tätig. Wie kann Ford heil aus dem Nebel kommen?

Es wäre vermessen, wenn ich als Chef einer Manufaktur den großen Autokonzernen kluge Ratschläge erteilen wollte. Da halte ich mich lieber zurück.

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