Um sich vor Kritik zu schützen, nimmt Adidas Zulieferer streng unter die Lupe
„Wo ist das Toilettenpapier?“

Ein Blick auf die Nähmaschine genügt: „Der Nadelschutz ist verbogen, so ist die Sache völlig nutzlos“, sagt Selcuk Büyüközer und wendet sich der nächsten Näherin zu. Das Arbeitsgerät der jungen Frau mit dem blass-blauen Kopftuch hat den gleichen Fehler. Wieder ist die Schutzplatte nach oben gedrückt, die vor Verletzungen durch die Nadel schützen soll.

ISTANBUL. Büyüközer achtet auf jede Kleinigkeit. Der 35-Jährige nimmt in der kleinen Kleiderfabrik Trikotek Tekstil am Stadtrand von Istanbul jeden Fluchtweg unter die Lupe, inspiziert die Vorratskammern der Kantine, überprüft die Arbeitszeiten der 360 Mitarbeiter und deren Lohnzettel. Der jugendlich wirkende Türke mit dunkler Lederjacke und grobem Pullover hat einen der wichtigsten Jobs, den Adidas-Salomon zu vergeben hat: Büyüközer inspiziert Werke, die für den zweitgrößten Sportkonzern der Welt T-Shirts, Trainingsanzüge und Schuhe produzieren.

Büyüközer darf sich keine Fehler erlauben, muss die strengen Umweltschutz- und Arbeitsstandards des Sportartikel-Riesen möglichst ohne Abstriche durchsetzen. Denn nichts fürchten die Herzogenauracher mehr als Angriffe auf ihr sorgsam gepflegtes und mit viel Geld aufgebautes Markenimage.

Immer wieder haben Organisationen wie „Oxfam“ oder die „Clean Clothes Campaign“ in den vergangenen Jahren gegen die schlechten Arbeitsbedingungen in den Zuliefer-Fabriken der großen Sportkonzerne protestiert. Mitunter mit weitreichenden Folgen: Noch heute erinnern sich viele Konsumenten an die Vorwürfe aus dem Jahr 1998, Adidas habe Fußbälle von politischen Gefangenen in China nähen lassen.

Zuletzt gingen die Hilfsorganisationen vor den Olympischen Spielen in Athen an die Öffentlichkeit und prangerten unmenschliche Arbeitsbedingungen in den Sport-Fabriken an. Solche Aktionen sorgen nicht nur für negative Publicity. Die Konzerne fürchten, dass sie die Käufer davon abhalten, zu den Leibchen von Adidas, Puma oder Nike zu greifen. Die Anbieter sind in einer schwierigen Situation, weil sie keine eigenen Werke besitzen, sondern die Produktion ausgelagert haben.

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