Umbau bei Siemens
Kaesers Vision muss sich jetzt beweisen

Joe Kaeser erklärt den Umbau bei Siemens für beendet. Der Konzern streicht zusätzlich 4500 Arbeitsplätze. Doch dass tatsächlich alle Baustellen abgearbeitet wurden, darf bezweifelt werden. Eine Analyse.
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MünchenEs ist eine mutige Prognose von Joe Kaeser. Mit den nun verkündeten weiteren Einschnitten – es werden zusätzlich nochmals 4500 Jobs gestrichen – sei der Umbau des Unternehmens in der Hauptsache abgeschlossen, verkündete der Siemens-Chef.

Wer Siemens in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten beobachtet hat, weiß: Wirklich abgeschlossen war der Umbau nie. Immer, wenn es gut lief, tauchten irgendwo in dem komplexen Konzern überraschend neue Baustellen auf. Kaesers Vorgänger Peter Löscher wähnte Siemens nach einem guten Geschäftsjahr einst in der „Champions League“. Umbauprogramme seien fortan nicht mehr notwendig. Danach gingen die Probleme erst so richtig los.

Ob Kaeser die perfekte Organisationsform gefunden hat und ihm die Sanierung der Problemsparten gelingt, werden erst die nächsten Jahre zeigen. Er hat dem Konzern mit dem größten Umbau seit 25 Jahren viel zugemutet. Die Organisation war zuletzt intensiv mit sich selbst beschäftigt. Die Neuorganisation verlief nicht ohne Reibungsverluste. Es ist wichtig, dass der Apparat jetzt zur Ruhe kommen und sich auf Innovation und Wachstum konzentrieren kann.

Denn während Kaeser an seiner „Vision 2020“ arbeitete, war auch die Konkurrenz nicht tatenlos. Bislang ist der Abstand zu General Electric & Co nicht sichtbar kleiner geworden. Die Zahlen, die Kaeser am Donnerstag vorlegte, sind in der Substanz größtenteils nicht besser als zu Löschers Zeiten. Zwar sieht der Nettogewinn mit 3,9 Milliarden Euro im Quartal üppig aus. Das liegt allerdings daran, dass Kaeser – wie einst auch Löscher mit der Veräußerung von VDO – Tafelsilber verkauft hat.

Bald aber wird der Blick auf die Zahlen klarer sein. Ab 2016 muss Siemens wieder wachsen, ein Jahr später zu den besten Konkurrenten auch in Sachen Profitabilität aufschließen. Wenn das nicht gelingt, wird der nächste Umbau ins Haus stehen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München

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  • Ernüchternd. Schon die Vorgänger von Herrn Kaeser wussten keinen besseren Rat als Personal abzubauen um Kosten zu senken. Von einem echten Insider wie Herrn K. habe ich ganz andere Ideen erwartet. Liegt das Problem doch nicht in der Zahl der Mitarbeiter sondern in fehlenden Langfriststrategien und völlig überladenen Verwaltungsprozessen im Konzern. Ich werde mein investiertes Kapital dem Konzern entziehen und in anderen Unternehmen, die deutlich mehr Zeitgeist und Kreativität an den Tag, investieren. Ein Traditionsunternehmen heruntergewirtschaftet - sehr bedauerlich.

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