Umbau beim Energiekonzern
Großmann organisiert RWE neu

Der neue Vorstandschef von RWE, Jürgen Großmann, legt ein hohes Tempo vor. Knapp zweieinhalb Monate nach seinem Amtsantritt hat er dem Aufsichtsrat jetzt die Grundzüge einer Neuorganisation vorgestellt. Die beiden Zwischenholdings RWE Energy und RWE Power scheinen dabei keine Rolle mehr zu spielen.

DÜSSELDORF. Der neue Vorstandschef von RWE, Jürgen Großmann, strafft die Organisation des Energiekonzerns. Er führt die Position des Chief Operating Officers (COO) ein, der das operative Geschäft leiten soll. Im Gegenzug werden die Chefs der wichtigsten Konzernsparten für Vertrieb (RWE Energy) und Kraftwerke (RWE Power) künftig nicht mehr im Konzernvorstand sitzen.

In der jetzigen Konstellation bedeutet dies noch nicht, dass sich die Zusammensetzung des Gremiums ändert, aber die Zuständigkeiten werden neu verteilt: Die beiden Zwischenholdings RWE Energy und RWE Power bleiben zwar vorerst noch bestehen, verlieren aber Kompetenzen – und dürften in einem zweiten Schritt komplett verschwinden. Überraschend schnell präsentierte Großmann gestern, knapp zweieinhalb Monate nach seinem Amtsantritt, dem Aufsichtsrat die Grundzüge der von ihm angekündigten Neuorganisation. Dieser habe die Pläne zustimmend zur Kenntnis genommen, wie das Unternehmen am Abend mitteilte.

Eigentlich hatte Großmann die Bekanntgabe der neuen Struktur erst für Ende Februar, zur Bilanz-Pressekonferenz, angekündigt. Mit der vorzeitigen Veröffentlichung reagierte er aber nun offenbar auf anhaltende Spekulationen über seine Pläne.

Großmann hatte Anfang Oktober den Vorstandsvorsitz vom Niederländer Harry Roels übernommen. Der Quereinsteiger – er ist Eigentümer des Stahlproduzenten Georgsmarienhütte – hatte aber auch schon die monatelange Wartezeit genutzt, um an seiner neuen Strategie zu arbeiten. Mit dem Umbau will er Kosten senken und den Energiekonzern auf den sich schärfer werdenden Wettbewerb vorbereiten.

Die COO-Position bekommt Ulrich Jobs, der erst im Frühjahr als Kraftwerke-Chef in den Vorstand eingezogen war. Diese Funktion gibt er nun wieder ab. Der 54-Jährige wird auch Aufsichtsratschef der operativen Gesellschaften.

Berthold Bonekamp gibt zwar die Leitung von RWE Energy ab, erhält aber neue Aufgaben: Der 57-Jährige ist künftig für Konzernstrategie, Akquisitionen, Forschung und Entwicklung und die erneuerbaren Energien zuständig. Rolf Pohlig wird wie bisher die Finanzen verantworten, Alwin Fitting bleibt Arbeitsdirektor. Die neue Struktur soll spätestens am ersten April gelten und eine Optimierung des operativen Geschäfts ermöglichen. Doppelfunktionen würden vermieden, Entscheidungen könnten schneller und effizienter getroffen werden, sagt das Unternehmen.

Zur Vorbereitung der Reform hatte Großmann prüfen lassen, ob die Zwischenholdings RWE Energy und RWE Power, die sein Vorgänger eingeführt hatte, noch effizient arbeiten. Nach Informationen des Handelsblatts aus Konzernkreisen ist dies in seinen Augen eher nicht der Fall, weshalb er sie mittelfristig durch die Verlagerung ihrer Kompetenzen in die Zentrale abschaffen will. Jetzt werden bereits Stäbe für Kommunikation, Recht oder Unternehmensentwicklung in den RWE-Tower nach Essen verlegt.

Zunächst bleiben die Zentralen der beiden Töchter in Essen und Dortmund bestehen, um keinen Streit mit wichtigen Aufsichtsräten zu provozieren. Insbesondere von Gerhard Langemeyer, Oberbürgermeister von Dortmund, wo RWE Energy den Sitz hat, müsste er ansonsten mit großem Widerstand rechnen. Im Gegenzug für eine komplette Auflösung dürfte dieser die Ansiedlung anderer wichtiger Funktionen verlangen. Schon Großmanns Vorgänger Roels musste bei seiner Reorganisation Zugeständnisse machen, weil die Großaktionäre Essen und Dortmund auf ihre Standortinteressen pochten. Letztlich führe an einer Auflösung der beiden Zwischenholdings aber kein Weg vorbei, hieß es gestern in Konzernkreisen.

Die neuen Vorstandsvorsitzenden von Energy und Power sollen nach Angaben des Unternehmens schon bald von den zuständigen Aufsichtsräten gewählt werden. Als Favoriten gelten die bisherigen Stellvertreter von Bonekamp und Jobs, Heinz-Werner Ufer bei Energy und Johannes Lambertz bei Power. Bereits zusammengelegt werden die anderen operativen Gesellschaften – die für den Großhandel zuständige RWE Trading und RWE Gas Midstream, die für den Gasimport und -transport verantwortlich ist.

Großmann hat in den ersten Wochen bei RWE ein hohes Tempo vorgelegt. Zunächst überraschte er die Branche mit einer energiepolitischen Initiative. Er regte neue Gespräche zwischen Politik, Verbrauchern und Versorgern an, um die hitzige Debatte um die hohen Preise und die Marktmacht der Konzerne zu beenden und gemeinsam nach einem Energiekonzept zu suchen. Außerdem gründete Großmann eine neue Tochter für erneuerbare Energien, in die RWE pro Jahr über eine Mrd. Euro investieren will.

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