Umbau des Siemens-Konzerns
„Wir stärken unsere Stärken“

Nur wenige Wochen nach Amtsantritt hat der neue Siemens-Chef Peter Löscher ein spektakuläres Zeichen gesetzt: Der Konzern verkauft seine Autozuliefersparte VDO und rüstet mit dem Milliarden-Erlös sein Medizintechnikgeschäft weiter auf. Gleichzeitig muss er aber auch noch mit Altlasten aus der Korruptionsaffäre kämpfen - und die sind offenbar größer als bislang angenommen.

HB MÜNCHEN. Auch unter der Führung von Peter Löscher geht der radikale Umbau von Deutschlands größtem Elektrokonzern in hohem Tempo weiter. Während Vorgänger Klaus Kleinfeld sich vor allem von Sanierungsfällen wie der Handysparte trennte, zeigt der Verkauf des Autozulieferers VDO für gut elf Mrd. Euro an Conti nun, dass auch profitable Bereiche zur Disposition stehen, wenn mit dem eingesetzten Kapital anderswo mehr Geld verdient werden kann. In der Medizintechnik zum Beispiel sind die Margen höher. Einen guten Teil des Milliardenerlöses aus dem VDO-Verkauf setzt Löscher denn auch gleich für den Kauf des US-Labordiagnostik-Spezialisten Dade Behring ein.

Siemens wolle sich auf seine Kerngeschäftsfelder Infrastruktur, Energie und Medizintechnik konzentrieren. „Wir werden Siemens fokussierter, weniger komplex und schneller machen“, bekräftigte der neue Chef am Mittwoch. „Wir stärken unsere Stärken.“ Auf diesem Weg werde klar weitermarschiert.

Siemens entdeckt weitere schwarze Kassen

Derweil hat Siemens bei seinen internen Korruptionsermittlungen aber auch weitere schwarze Kassen entdeckt. Wie der Konzern am Mittwoch mitteilte, wurde in einem zweiten Geschäftsbereich „ein deutliches Zahlungsvolumen identifiziert“, für das es nur wenig Belege gebe. Diese Zahlungen seien über ein Bankkonto in Liechtenstein abgewickelt worden.

Bisher hatte Siemens von dubiosen Zahlungen über 420 Mill. Euro in der Kommunikationsparte gesprochen. Durch eigene Untersuchungen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wisse Siemens aber inzwischen „von zusätzlichen Bankkonten und Kassen an unterschiedlichen Orten, die nicht in der Konzernbilanz erfasst wurden“.

Die Untersuchungen könnten sich ausweiten. Geldbußen, Schadenersatz oder Ausschlüsse von öffentlichen Aufträgen seien möglich, teilte der Konzern weiter mit. Bis jetzt habe Siemens keine Rückstellungen dafür gebildet, weil sich die Höhe möglicher Sanktionen nicht abschätzen lasse.

Seite 1:

„Wir stärken unsere Stärken“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%