Umbau geht weiter
Dräger nimmt geringere Profitabilität in Kauf

Mittelfristiges Wachstum steht für Unternehmer Stefan Dräger von der im Tec-Dax notierten Drägerwerk AG im Vordergrund. Die Anleger sind anderer Meinung, Verkäufe drückten den Kurs der Vorzugsaktie deutlich auf weniger als 60 Euro.
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HAMBURG. Die im Tec-Dax notierte Drägerwerk AG geht nicht davon aus, die derzeitige dynamische Entwicklung im kommenden Jahr zu halten. "2009 und 2010 waren nach unten und nach oben außergewöhnliche Jahre. Ansonsten sehen wir eine gleichmäßig positive Entwicklung", sagte Firmenchef Stefan Dräger dem Handelsblatt.

Der Umsatz des Lübecker Spezialisten für Medizin- und Sicherheitstechnik stieg im dritten Quartal 2010 auf 525 Mio. Euro, teilte das Unternehmen gestern mit - währungsbereinigt im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres ein Plus von 10,2 Prozent. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte auf 34 Mio. Euro zu und erreichte den zweieinhalbfachen Wert des dritten Quartals 2009. Nach neun Monaten erzielten die Norddeutschen in diesem Jahr eine Ebit-Marge von 8,9 Prozent. Dräger ist auf Rekordkurs.

Schon heute sei er sicher, dass 2010 "das beste Geschäftsjahr unserer Unternehmensgeschichte werden wird", so Dräger. Die Gründe für die höhere Ertragskraft liegen in der guten Auftragslage in Amerika und Asien, günstigen Währungseffekten und einem hohen Anteil des margenstarken Gerätegeschäfts in der Medizintechnik. Dazu kommen die Effekte eines umfassenden Restrukturierungsprogramms, das in den ersten neun Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zusätzliche Einsparungen und Effizienzgewinne von unter dem Strich 36 Mio. Euro umfasste.

Und der Umbau des Unternehmens soll weitergehen: Dräger will effizienter forschen und die Ergebnisse schneller in Produkte umsetzen, der Vertrieb soll schlagkräftiger werden. Konsequenz: Drägers Wachstum stagniert erst einmal.

"Angesichts der höheren Investitionen für Forschung und Entwicklung sowie der Verbesserung der Marketing- und Vertriebsorganisation werden wir kommendes Jahr die Profitabilität des laufenden Jahres voraussichtlich nicht übertreffen", kündigte Stefan Dräger an.

Für 2011 erwartet er für den überwiegenden Teil der Produkte eine durchaus freundliches Marktumfeld. "Allerdings gehen wir von einem niedrigen einstelligen prozentualen Umsatzwachstum aus", sagte Dräger. Mittelfristig plant das Unternehmen, stärker zu wachsen als der Markt und eine nachhaltige Ebit-Marge von mindestens zehn Prozent zu erreichen.

Doch die Anleger blieben skeptisch, Verkäufe drückten den Kurs der Vorzugsaktie deutlich auf weniger als 60 Euro. "Aufgrund von Einmaleffekten fiel das Finanzergebnis schlechter aus als erwartet", sagte Analyst Eggert Kuls von der Warburg Bank. "Das ändert aber nichts an der operativen Stärke." Dräger weiß um die Schwierigkeit, das Spezialgeschäft zu erklären. "Wir müssen zulassen, verschiedene Investoren zu haben", sagte er. Dazu gehörten auch Hedgefonds, "die sich am Auf und Ab der Kurse erfreuen".

Ziel der Lübecker für die nächsten Monate ist es, die Kosten weltweit flexibler zu gestalten. Anfang des Jahres waren Gespräche darüber mit den deutschen Arbeitnehmervertretern gescheitert. In zwei Wochen wollen beide Seiten die Verhandlungen wieder aufnehmen - die Arbeitnehmer zeigen sich nun zuversichtlich.

Auch aus Sicht des Unternehmers Stefan Dräger, der Investitionen in den Standort Deutschland vom Ausgang der Gespräche abhängig gemacht hat, sind die Aussichten jetzt deutlich günstiger als noch zu Jahresbeginn.

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