Umbruch
Auto-Zulieferer gehen fremd

Die Zulieferer der Autoindustrie suchen verstärkt nach neuen Geschäftsfeldern. Nach den dramatischen Einbrüchen im Autogeschäft kündigen große deutsche Zulieferkonzerne an, ihr Geschäft jenseits des Autos ausbauen zu wollen. Welche Geschäftsfelder für die Branche interessant sind – und wer bei der Diversifizierung tonangebend ist.

MÜNCHEN/STUTTGART. Neben dem weltgrößten Automobilzulieferer Bosch wollen auch der Roboterhersteller Kuka und der Bordnetzspezialist Leoni ihre Abhängigkeit vom Autogeschäft reduzieren.

Experten erwarten einen breiten Trend, der zunehmend auch den Mittelstand erfassen wird. Die Zulieferer drängen vor allem in die Solarbranche, die Medizintechnik und die Luftfahrtindustrie.

„Wir wollen langfristig unabhängiger vom Autogeschäft werden“, sagt Klaus Probst, Vorstandschef des MDax-Konzerns Leoni. Der Nürnberger Kabelspezialist hat sich die Medizintechnik und die Luftfahrtbranche als strategische Wachstumsfelder ausgesucht. Airbus und Boeing wollen ihre Fertigungstiefe drastisch senken und mehr Zulieferer an Bord holen. Als „strategischen Durchbruch“ feiern die Nürnberger einen Vertrag mit Airbus. Leoni verkabelt in den kommenden Jahren die Airbus-Modelle A320 bis A340, das Volumen beziffert der Konzern auf 50 Mio. Euro. Das sei nur ein Einstieg, verspricht Probst. „Wir wollen Systemlieferant für die Luftfahrtindustrie werden“, sagt der Leoni-Chef. Mit dem Einstieg in die Luftfahrt und öffentlichen Aufträgen wie der Verkabelung von Tunneln oder Glasfasernetzen soll der Autoanteil von siebzig auf sechzig Prozent sinken.

Im Kerngeschäft Autoverkabelung bleiben die Aussichten finster. Der Umsatz in den ersten beiden Monaten ist um rund vierzig Prozent eingebrochen, weltweit sind bereits 7 000 von 53 000 Arbeitsplätzen gestrichen worden. Leoni ist kein Einzelfall: Die gesamte Autozulieferbranche hat in den ersten Monaten dieses Jahres zehn bis 50 Prozent des Umsatzes verloren, da Hersteller wie etwa Daimler im Februar 40 Prozent weniger Autos verkauft haben.

Schrittmacher beim Trend weg vom Auto ist der Branchenprimus Bosch. Der schwäbische Elektromulti hat sein Geschäft frühzeitig mit Heizungstechnik, Elektrowerkzeugen und Industrietechnik diversifiziert, jetzt soll der Einstieg in alternative Energien helfen, die Einbrüche in der Autoindustrie aufzufangen. Erst in der vergangenen Woche legte Bosch-Chef Franz Fehrenbach den Grundstein für eine neue Solarzellenfabrik der Thüringer Tochter Ersol. Eine Milliarde Euro hat Bosch für den Solarzellenhersteller ausgegeben, weitere 500 Mio. Euro steckt Fehrenbach jetzt in den Ausbau der Fertigung. „Wir bauen trotz der schwierigen Situation auf zukunftsweisende Technologien“, sagt Fehrenbach. Der Anteil des Autogeschäfts soll von 60 auf unter 50 Prozent gedrückt werden.

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