Umbruch
Diagnostik-Branche sortiert sich neu

In der Diagnostika-Industrie stehen die Zeichen weiter auf Umbruch und Konsolidierung. Transaktionen wie der Kauf von Dade Behring durch Siemens oder die vom Marktführer Roche angestrebte Übernahme der US-Firma Ventana bilden nur eine Zwischenstation im Branchenumbau. Experten rechnen mit weiteren Übernahmen und dem Vormarsch der Gentechnik.

FRANKFURT. Insgesamt wechselte im Zuge von acht größeren sowie zahlreiche kleinere Transaktionen in den vergangenen 15 Monaten bereits rund ein Sechstel der Industrie den Besitzer. Hinter dem Konsolidierungstrend verbergen sich indessen zwei unterschiedliche Motive. Zum einen geht es wie im Fall Siemens darum, kritische Masse in einem Bereich aufzubauen, der bestehende Medizintechnik-Aktivitäten ergänzt. Mit der Übernahme von Diagnostic Products, der Bayer-Labordiagnostika-Sparte und zuletzt Dade Behring ist der Münchener Konzern praktisch auf einen Schlag zum zweitgrößten Anbieter von so genannten In-Vitro-Diagnostika aufgestiegen. Dabei geht es um Verfahren, Geräte und Reagenzien, die im Gegensatz etwa zu Röntgenuntersuchungen außerhalb des menschlichen Körpers eingesetzt werden.

Das globale Marktvolumen wird auf etwa 32 Mrd. Dollar geschätztund wird auch von dem US-Konzern General Electric (GE) sondiert. Mit dem geplanten Kauf der Diagnostika-Sparte von Abbott ist der US-Konzern vor wenigen Wochen zwar gescheitert. „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die Ambitionen auf dem Gebiet damit aufgeben“, so der Manager eines führenden Diagnostika-Herstellers. Als mögliches Ziel für GE wird in der Branche nun vor allem die US-Firma Beckman Coulter gehandelt. Auch ein Vorstoß in Richtung Becton Dickinson gilt als denkbar, wobei sich GE selbst zu solchen Spekulationen gestern nicht äußern wollte. Als weitere potenzieller Interessent gilt der Elektronik- und Medizintechnik-Konzern Philips. Und selbst Informationstechnik-Spezialisten wie Hewlett-Packard, Toshiba oder Microsoft werden als Akteure nicht mehr ausgeschlossen. Für sie könnten Diagnostika interessant werden als Datenquelle für komplexe Analyse-Verfahren im Medizinbereich.

Parallel zum Einstieg branchenfremder Akteure läuft zum anderen eine Konsolidierung mit Blick auf Technologie-Positionen. Aktiv sind in dieser Hinsicht vor allem Marktführer Roche, der sich neben Ventana durch eine ganze Serie kleinerer Zukäufe verstärkte, sowie der Newcomer Qiagen. Das deutsch-niederländische Biotech-Unternehmen hat in den vergangenen beiden Jahren seine starke Position als Experte für die DNA-Aufbereitung genutzt, um eine Position in der kommerziellen Diagnostik aufzubauen. Mit der im Juli vollzogenen rund 1,6 Mrd. Dollar teuren Übernahme der US-Firma Digene wurde das Unternehmen nun zu dem nach Roche zweitgrößten Anbieter im Bereich der so genannten molekularen Diagnostik, einem noch kleinen, aber stark wachsenden Teilsegment des Marktes. Der Fokus liege nun im Bereich des organischen Wachstums, sagt Qiagen-Chef Peer Schatz. „Aber wir werden, soweit sich passende Möglichkeiten ergeben, auch weitere Akquisitionen prüfen.“ Ebenso bleibt auch Marktführer Roche, wie Konzernchef Franz Humer kürzlich andeutete, an Zukäufen interessiert, soweit sie technologische Ergänzungen bieten.

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