Umbruch in der Autobranche
Entscheidung über Opel bis Anfang Mai

Das Rennen um den Rüsselsheimer Autohersteller Opel könnte eine Chance zur Konsolidierung sein. Hinter den Kulissen ist die Investorensuche längst zu einem Nervenspiel geworden, in dem mit den Bietern um Konditionen und Zusagen gerungen wird. Binnen der nächsten zwei Wochen wird Berlin eine Entscheidung treffen.

FRANKFURT/BERLIN. Im monatelangen Ringen um eine Zukunft von Opel schlägt die Stunde der Wahrheit. In Regierungs- und Branchenkreisen wird eine Vorentscheidung bis spätestens Anfang Mai erwartet. Noch ist dabei nicht ausgemacht, dass der italienische Autobauer Fiat den Zuschlag erhalten wird. Auch der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna gilt als ernsthafter Mitbewerber. Das Bundeswirtschaftsministerium berät nach eigenen Angaben bereits in diesen Tagen mit dem Autozulieferer über dessen Interesse.

Magna wird nach Informationen aus Unternehmenskreisen von Teilen des europäischen GM-Managements gegenüber Fiat favorisiert, strebt jedoch nur eine Minderheitsbeteiligung an Opel an, wie das Handelsblatt erfuhr. Den Finanzinvestoren, die ebenfalls noch im Gespräch sind, werden dagegen kaum Chancen eingeräumt, da die Priorität der Politik eindeutig auf einem strategischen Investor liegt.

Eine rasche Vorfestlegung auf die Italiener ist derweil vom Tisch. Fiat wird laut Branchen- und Gewerkschaftskreisen vorerst keine schriftliche Erklärung für ein Interesse an Opel abgeben. Die harte Intervention des Opel-Gesamtbetriebsratschefs Klaus Franz Ende vergangener Woche gegen Fiat zeigt damit erste Wirkung. Nach IG Metall und dem obersten Opel-Arbeitnehmervertreter reihten sich auch die Opel-Händler, Landespolitiker sowie EU-Industriekommissar Günter Verheugen in die Phalanx derjenigen ein, die einen Einstieg von Fiat ablehnend gegenüber stehen. Der Turiner Autohersteller reagierte sichtlich verärgert: "Ich bin verwundert über den Ton und den Inhalt dieser Erklärungen", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne.

Experten sehen die Chancen von Fiat angesichts der wachsenden Kritik schwinden. "Ich befürchte, dass Fiat sich in den nächsten Tagen zurückziehen könnte", sagte Auto-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler, der einen Deal zwischen Opel und Fiat für eine Perspektive hält. Hinter den Kulissen ist die Investorensuche damit auch zu einem Nervenspiel geworden, in dem mit den Bietern um Konditionen und Zusagen gerungen wird.

Noch steht laut Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von allen Interessenten ein industrielles Konzept aus. Die Regierung forderte von Fiat Zusagen für den Erhalt von Arbeitsplätzen und Standorten bei Opel. Marchionne selbst hatte jüngst bereits Werksschließungen im Falle einer Opel-Übernahme indirekt angedeutet - was im Wahljahr in Berlin allerdings keinen Jubel auslöst.

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