Umfang der Betrügereien zeugt von einem hohen Ausmaß an krimineller Energie: Wie Tanzi Parmalat schönrechnete

Umfang der Betrügereien zeugt von einem hohen Ausmaß an krimineller Energie
Wie Tanzi Parmalat schönrechnete

Die Ermittlungen der Staatsanwälte und die ersten Schätzungen des Teams um den Insolvenzverwalter Enrico Bondi zeigen: Konzerngründer Calisto Tanzi und sein langjähriger Finanzchef Fausto Tonna haben alle Register gezogen, um die Situation bei Parmalat zu verschleiern.

MAILAND. Die wichtigsten Manipulationen im Überblick:

Gewinne und Verluste
Parmalat hat 2002 unterm Strich einen Bilanzgewinn von 269 Mill. Euro ausgewiesen. Von 1998 bis 2001 kumuliert das Nettoergebnis offiziell auf 860 Mill. Euro. Tatsächlich hat der Konzern aber aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit riesige Verluste angehäuft. Nach ersten Schätzungen der Wirtschaftsprüfer von Pricewaterhouse Coopers, die auf Basis beschlagnahmter Dokumente vor rund drei Wochen erstellt worden sind, hat Parmalat allein von Ende 2000 bis zum 30. September 2003 einen Verlust von 1,4 Mrd. Euro produziert. Vor allem die Aktivitäten in Südamerika, die rund 20 % des Umsatzes von 7,6 Mrd. Euro ausmachten, sollen extrem defizitär gewesen sein. Gefälschte Rechnungen, fingierte Zahlungseingänge und falsche Lieferverträge machten das Minus zum Plus.

Dividenden und Selbstbedienung
Trotz der faktischen Verluste hat Parmalat stets Dividenden ausgeschüttet. Nach Berechnungen des Handelsblattes summieren sich die Ausschüttungen in den letzten 15 Jahren auf rund 2 Mrd. Euro. Mindestens 1 Mrd. davon sind der Tanzi-Familienholding Coloniale als Mehrheitseigentümer zugeflossen. Allem Anschein nach standen den Ausschüttungen keine Gewinne gegenüber.

Emittierte und zurückgekaufte Obligationen
Parmalat hat sich in den 90er-Jahren massiv durch öffentlich gehandelte Schuldverschreibungen finanziert. Aktuell stehen Obligationen im Volumen von rund 7,2 Mrd. Euro aus. Bis zur Insolvenz hatte Parmalat stets behauptet, knapp 3 Mrd. Euro seiner Bonds zurückgekauft zu haben. Die entsprechenden Dokumente waren aber gefälscht.

Echte und vorgetäuschte Liquidität
Zum 30. September hatte Parmalat flüssige Mittel und kurzfristig auflösbare Titel im Wert von 4,2 Mrd. Euro angegeben. Als der Konzern im Dezember trotz der angeblich immensen Liquidität eine 150 Mill. Euro Obligation nicht mehr bedienen konnte, flog der Schwindel auf. Wenige Tage später dementiert die Bank of America, ein Konto mit 3,9 Mrd. Euro Guthaben der Parmalat- Tochter Bonlat zu unterhalten. Tanzi und sein Team hatten das entsprechende Dokument einfach mit dem Briefkopf der Bank of America versehen. Auch eine angebliche Investition des Konzerns von knapp 500 Mill. Euro in den Hedge Fonds Epicurum mit Sitz auf den Cayman Inseln entsprang der Phantasie.

Eigenkapital und Fremdkapital
In mindestens zwei Fällen hat Parmalat Mittel als Eigenkapital verbucht, die in Wirklichkeit als Fremdkapital hätten qualifiziert werden müssen. So hat die Citigroup über ein Finanzierungsvehikel in Lugano namens Buconero („schwarzes Loch“) 117 Mill. Euro in die Geslat, eine dem Milchkonzern zugehörige GmbH italienischen Rechts einbezahlt. Parmalat hat die Mittel als Eigenkapital ausgewiesen, obwohl das Geld keineswegs zeitlich unbefristet zur Verfügung gestellt worden ist. Vielmehr hätte das Geld bis Ende nächsten Jahres an Buconero und somit an die Citigroup zurückgezahlt werden sollen. Entsprechend hätte es als Fremdkapital verbucht werden müssen. Ein ähnlicher Fall betrifft die Parmalat Capital Finance mit Sitz in Malta. Sie hat „Vorzugsaktien“ für 500 Mill. $ emittiert, die allerdings zwischen 2008 und 2014 zurückbezahlt werden sollten, die ebenfalls fälschlicherweise als Eigenkapital geführt wurden.

Zinsen für Kredite
Parmalat fälschte die Informationen über Zinssätze, die das Unternehmen für Kredite zahlen musste. Den Ermittlern gestand Firmenchef Tanzi, für einen 300-Mill.- Euro-Kredit beim Vermögensverwalter Nextra mehr Zinsen gezahlt zu haben als offiziell angegeben.

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