Umfrage
Die Deutschen misstrauen ihren Stromversorgern

Das schlechte Image der Stromversorger hat Tradition: Sie profitieren nicht von der Energiewende, ihr Eintreten für den raschen Atomausstieg blieb unbemerkt. Nur die Solarwirtschaft genießt ein hohes Ansehen.
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BerlinDie deutschen Stromverbraucher zahlen Jahr für Jahr Milliardenbeträge dafür, dass rund drei Prozent des Stroms von Photovoltaikanlagen produziert werden können. Und sie zahlen gerne dafür. Nur so lässt sich erklären, dass die Solarwirtschaft im Image-Ranking verschiedener Industrie- und Wirtschaftszweige den zweiten Platz belegt. Nur das Handwerk erreicht in der Hitliste eine bessere Platzierung.

Das Ranking basiert auf einer repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und ist Bestandteil des "Energiemonitors 2012", der dem Handelsblatt vorliegt.

Der BDEW lässt den Energiemonitor Jahr für Jahr erstellen. Die diesjährige Ausgabe, fertiggestellt im März, wurde der Öffentlichkeit bislang vorenthalten und nur für verbandsinterne Zwecke genutzt. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Während die Solarwirtschaft im Ansehen der Bevölkerung einen Spitzenplatz erreicht, landen die klassischen Stromversorger, die der Verband repräsentiert, im unteren Drittel des Rankings. Noch düsterer sieht es für eine besonders umstrittene Sparte der Stromversorgerbranche aus, die Kernkraftindustrie: Sie rangiert auf dem vorletzten Platz des Image-Rankings. Nur die Mineralölindustrie steht noch schlechter da.

Infografik

Image-Ranking der Industrie- und Wirtschaftszweige Mittelwerte

+5 sehr hohes bzw. -5 sehr niedriges Ansehen

Die Energiewende hat den klassischen Stromversorgern somit keinen spürbaren Image-Gewinn beschert. Das ist für den BDEW betrüblich. Der BDEW-Vorstand hatte sich bereits Anfang April vergangenen Jahres und damit nur wenige Wochen nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima dafür ausgesprochen, das letzte Kernkraftwerk in Deutschland möglichst 2020 abzuschalten.

Der Verband setzte sich damit über den Widerstand der vier Kernkraftwerksbetreiber hinweg, die zu den wichtigsten BDEW-Mitgliedern gehören, und ging noch weiter als die Politik: Die Bundesregierung beschloss im Sommer vergangenen Jahren einen beschleunigten Ausstieg aus der Kernkraft mit einer Abschaltung des letzten Meilers im Jahr 2022.

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Kurswechsel der Versorger wurde nicht wahrgenommen

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  • Was wir brauchen ist ein Stromanbieter der die Interessen der Kunden vertritt. Er müsste sich also darum sorgen billigen Strom zu liefern, und sich politisch gegen die Versuche, uns Ökostrom aufzuzwingen, widersetzt!
    Die Stadtwerke sind alle eifrig dabei, politisch korrekt "grün" zu werden auf kosten ihrer Kunden - diese scheiden also aus. Die billigsten Anbieter wie aktuell "Löwenzahn Energie GmbH" sind alle suspekt weil sie behaupten Öko-Strom billiger zu liefern als andere den normalen Strom - das kann nicht sein, wenn man bedenkt daß Atomstrom und Kohlestrom meistens nur 5-6 Cent die kWh im Grosshandel kosten. Allgemein sind alle Anbieter die gleichzeitig billig sein wollen und "öko", sehr seltsam und lassen ein Schneeballsystem vermuten (Stichwort "Vorauszahlungen" und "Insolvenz")

  • Da haben Sie leider nur eingeschränkt Recht lieber uxcid! Ich nehmen an, dass Sie (warum auch immer...) die alte Leier der Bundesnetzagentur wiederholen: "Haushalte sollten jährlich Ihre Energieversorgung überprüfen."

    Die bewährten, sogenannten Vergleichsportale sind doch längst der verlängerte Arm der Tochtergesellschaften der "Big Four" geworden. Meiner Meinung nach sind Unabhängigkeit und Objektivität nur teilweise gewährleistet. Das Ziel der Stärkung des Wettbewerbs wird mittlerweile komplett verfehlt, weil der gemeine Endkunde von Lockangeboten erfolgreich geblendet wird. Übrigens ebenfalls eine Quelle des schlechten Images der EVUs.

    Solange der Markt keine Möglichkeit findet den regelmäßigen, jährlichen Wechsel des Energieversorges zu fördern wird sich die "Abzocke" nicht mindern lassen.

  • Ich halte "mehr Staat" für die falsche Lösung. Da wird am Ziel vorbeireguliert. Es muss eine privatwirtschaftliche Lösung her, wie z.B. Verivox, Toptarif oder check24.
    Offensichtlich ist das aber noch immer zu wenig.

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