Umfrage in Europa
Deutsche zahlen Spitzenpreise für Strom

Die Strompreise für Industrie und Privathaushalte in Deutschland liegen im europäischen Vergleich weiter in der Spitzengruppe. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Fachmagazins „Energie Informationsdienst“ (EID). Allerdings steigen die Preise inzwischen langsamer als in vielen anderen Staaten.

juf DÜSSELDORF. Zudem sind die staatlichen Abgaben überdurchschnittlich hoch. Der EID lässt vierteljährlich vom Londoner Beratungsunternehmen Energy Advice in zwölf westeuropäischen Staaten repräsentative Energiepreise erheben. Die Ergebnisse geben den Kritikern an den anhaltenden Preissteigerungen in Deutschland Argumentationshilfen. Während die Energiekonzerne auf steigende Kosten verweisen, werfen Industrievertreter, Verbraucherschützer und Politiker der Branche vor, ihre Marktmacht auszunutzen. In der vergangenen Woche beantragten hunderte Versorger zum Jahreswechsel erneut höhere Stromtarife für Privatkunden. Bereits im Oktober rollt zudem die nächste Gaspreiswelle an. Und auch Industriekunden klagen über stetig steigende Energiekosten.

Der Umfrage zufolge zahlte ein durchschnittlicher Privathaushalt mit einem Verbrauch von 3 500 Kilowattstunden pro Jahr im Juli für eine Kilowattstunde Strom 19,83 Cent – inklusive aller Steuern und Abgaben. Nur in Dänemark, Italien und den Niederlanden müssen die Kunden mehr bezahlen. Der Vergleich falle noch deutlicher aus, wenn die neuen EU-Mitgliedstaaten miteinbezogen würden. In neun der zehn Staaten liege das Preisniveau zum Teil deutlich niedriger als in Deutschland.

Damit relativieren sich Aussagen des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), der noch in der vergangenen Woche erklärt hatte, die deutschen Preise lägen europaweit nur im Mittelfeld. Der VDEW bezog sich dabei aber nur auf die Zuwachsrate, nicht auf die absolute Höhe.

Tatsächlich können die deutschen Stromversorger nur vergleichsweise geringe Steigerungen durchsetzen. Die Tarife für Privatkunden notierten der EID-Umfrage zufolge im Juli nur um fünf Prozent höher als ein Jahr zuvor, während der Anstieg in Großbritannien, Italien und den Niederlanden zwischen 15 und 25 Prozent lag. In Deutschland hatten die Wirtschaftsministerien in den Bundesländern zum Jahreswechsel zahlreiche Anträge gekürzt und haben ein ähnlich rigoroses Vorgehen auch schon für 2007 angekündigt.

Ähnlich sieht es bei den Industriepreisen aus. Je nach Abnahmemenge lag Deutschland im Juli im Vergleich der zwölf westeuropäischen Länder auf dem dritten oder vierten Rang. Seit Juli 2005 haben sich die Preise allerdings nur um sieben Prozent nach oben bewegt. In den meisten anderen Ländern lag die Zuwachsrate dagegen zwischen zehn und 25 Prozent, in Großbritannien und Italien sogar je nach Abnahmemenge des Kunden zwischen 30 und 45 Prozent. Beide Länder waren besonders stark vom Anstieg der Gasimportpreise betroffen.

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