Umgang mit Dieselkrise VW und Händlerverband streiten sich heftig

Der Verband deutscher Audi- und VW-Händler hat den Mutterkonzern scharf kritisiert. Wie dieser mit dem Dieselskandal umgehe, sei „unglaublich“. Für Klagen von Kunden zeigt der Verbandschef Verständnis.
Update: 16.09.2017 - 15:47 Uhr Kommentieren
Verbandschef von Knapp sagte, er verstehe Kunden, die VW verklagten. „Selbstverständlich ist das ein berechtigter Anspruch.“ Quelle: dpa
VW-Händler

Verbandschef von Knapp sagte, er verstehe Kunden, die VW verklagten. „Selbstverständlich ist das ein berechtigter Anspruch.“

(Foto: dpa)

WolfsburgDie deutschen VW- und Audi-Händler streiten mit dem Autobauer öffentlich über die Folgen der Dieselkrise und wollen Schadenersatz. „Wir haben einen Skandal, und wie der Konzern damit umgeht, ist unglaublich. Man bekennt sich nicht mehr schuldig für das, was man verursacht hat“, sagte der Vorstandschef des Volkswagen und Audi Partnerverbandes, Dirk Weddigen von Knapp, im aktuellen „Spiegel“. VW-Deutschland-Vertriebschef Thomas Zahn nannte die Kritik des Händlerverbands in der „Automobilwoche“ „beispiellos und geschäftsschädigend“. Zwei Jahre nachdem die Abgasmanipulationen bei VW bekannt wurden, hat der Konzern an einer weiteren Front Ärger.

Der Verband vertritt nach eigenen Angaben die Interessen der mehr als 2400 Handels- und Servicepartner der Marken VW, Audi und VW-Nutzfahrzeuge - und ist damit das Rückgrat für den Verkauf und die Wartung von Fahrzeugen an Endkunden. Auch deswegen richten sich viele Klagen von Autobesitzern gegen die Händler und nicht gegen VW direkt. Verbandschef von Knapp sagte, er verstehe Kunden, die klagten. „Selbstverständlich ist das ein berechtigter Anspruch.“ Die Kunden würden nur ihr Recht in die Hand nehmen. Die Händler wiederum fühlten sich von Volkswagen „im Stich gelassen“.

Für Volkswagen kommt der Angriff seiner Vertragspartner überraschend, die Reaktion folgte prompt und nicht weniger scharf. „Herr Weddigen von Knapp wählt unvermittelt den Weg in die Öffentlichkeit, dies ist beispiellos und nicht im Sinne der Handelspartner, sondern unverantwortlich und geschäftsschädigend für die Handelsorganisation, den Volkswagen Konzern und seine Marken“, heißt es in der Stellungnahme von Vertriebschef Zahn. Spannungsfrei ist das Verhältnis zwischen Händlern und Autobauern ohnehin nicht, doch haben beide Seiten Streit meist nicht in der Öffentlichkeit ausgetragen.

Aktuell geht es aber nicht nur um die vielen Klagen von verärgerten Kunden, es geht auch um den Diesel selbst. Die Dieselkrise drücke die Preise für die Fahrzeuge. Die Händler würden das vor allem bei Rückläufern aus Leasingverträgen spüren. „Wenn der Händler es überhaupt schafft, so einen Rückläufer gleich zu verkaufen, macht er heute je nach Typ bis zu 3000 Euro Verlust gegenüber dem Restwert, mit dem er das Auto vor der Dieselkrise kalkuliert hatte“, sagte von Knapp dem „Spiegel“. Vertriebschef Zahn widerspricht. „Die Darstellung der verschiedenen Themen entspricht aus unserer Sicht nicht den Fakten und den öffentlich zugänglichen Informationen.“

So viel kassierten die VW-Bosse 2016
Platz 9: Frank Witter
1 von 9

Frank Witter ist seit 1992 bei VW. Seit Oktober 2015 ist er für den Geschäftsbereich „Finanzen und Controlling“ zuständig. Sein Gehalt stieg – auch aufgrund des neuen Postens – von 940.000 Euro auf gut 3 Millionen Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 8: Rupert Stadler
2 von 9

Das Aufsichtsratsmitglied vom FC Bayern München Rupert Stadler ist seit 2010 Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG. Zudem ist der Manager Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Seine Vergütung sank 2016 um mehr als eine Million Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 7: Jochem Heizmann
3 von 9

Wirtschaftsingenieur Jochem Heizmann ist seit 1991 bei Volkswagen. Seit 2012 ist er für den Geschäftsbereich „China“ zuständig. Im vergangenen Jahr ging seine Vergütung um gut eine Million Euro zurück.
Gehalt: 1,2 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 6: Francisco Javier Garcia Sanz
4 von 9

Der Spanier Francisco Javier Garcia Sanz arbeitet seit 1993 für VW. 1996 wurde er Mitglied des Vorstands der Marke „Volkswagen Pkw“ und 2001 der Volkswagen AG. Dort ist er zuständig für den Bereich „Beschaffung“. Auch bei ihm sanken 2016 die Bezüge um rund eine Million Euro.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 5: Andreas Renschler
5 von 9

Andreas Renschler war bis 2014 Mitglied des Vorstandes der Daimler AG. Im Februar 2015 wechselte der Stuttgarter zu VW und ist dort für den Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge verantwortlich. 2015 hatte er durch eine Kompensation aufgrund seines Arbeitgeberwechsels noch 15,6 Millionen Euro kassiert.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 4: Herbert Diess
6 von 9

Der österreichische Manager arbeitet seit 2015 für die Volkswagen AG und ist Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen-Pkw. Auch er wurde 2015 für den Arbeitgeberwechsel entschädigt und erhielt 7,2 Millionen Euro. Im abgelaufenen Jahr waren es fast vier Millionen Euro weniger.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Platz 3: Karlheinz Blessing
7 von 9

Der Manager ist seit Januar 2016 für den Bereich Personal und Organisation verantwortlich. In dieser Funktion muss der 59-Jährige derzeit den geplanten Stellenabbau im Rahmen des Zukunftspaktes umsetzen. Ein Vergleichsgehalt für 2015 liegt nicht vor.

Gehalt: 1,4 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

Zahn sagte aber auch, man wisse um die „herausfordernde Situation des Handels“. „Es ist unser wichtigstes Ziel, diesem entgegenzuwirken und das Vertrauen zurückzugewinnen“, schrieb Zahn. Man sei in einem engen Austausch mit dem Verband. „Aus den genannten Gründen sind die Aussagen von Herrn Weddigen von Knapp für uns unverständlich.“ Im Juni hatte VW noch Händler aus aller Welt zu einem Kongress in Berlin eingeladen, um Wege in eine erfolgreiche Zukunft von VW und Handel zu finden. Nun ist die Stimmung auf einem Tiefpunkt angekommen.

  • dpa
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