Umsatz gesteigert
Bayer strahlt Zuversicht aus

Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer will nach einem Ergebniszuwachs im ersten Quartal im Gesamtjahr den operativen Gewinn im fortzuführenden Geschäft prozentual zweistellig steigern. Zugleich konnte Bayer weitere Vergleiche mit Geschädigten des Cholesterinsenkers Lipobay schließen, teilte Bayer am Freitag zur Hauptversammlung in Köln mit.

Reuters KÖLN. Vorläufigen Zahlen zufolge lag der operative Gewinn im ersten Quartal 2003 über dem entsprechenden Vorjahreswert von 840 Mill. ?. Damit schnitt der Leverkusener Konzern besser ab als von vielen Analysten erwartet. In diesem Jahr ist das Ergebnis der übernommenen Aventis CropScience im Quartalsgewinn enthalten. Eine konkrete Ergebniszahl sowie weitere Details will der Konzern erst am 7. Mai nennen.

Der Umsatz im fortzuführenden Geschäft stieg in den ersten drei Monaten um vier Prozent auf 7,3 Mrd. ?. Währungsbereinigt lag der Zuwachs den Angaben zufolge bei mehr als 15 %. "Das Jahr hat also gut begonnen, und darauf bauen wir auf", sagte Konzernchef Werner Wenning am Freitag vor den Aktionären. Eine wirtschaftliche Erholung in Deutschland wird nach seiner Einschätzung frühestens zum Jahresende einsetzen. 2002 hatte sich das operative Ergebnis im fortlaufenden Geschäft vor Sonderposten bei Bayer fast halbiert. Sorgenkind war vor allem die Pharmasparte, für die Bayer nach wie vor einen Partner sucht.

Die Prognose eines prozentual zweistelligen Ergebnisanstiegs für das Gesamtjahr setze voraus, dass sich die derzeitigen Rahmenbedingungen nicht gravierend verschlechterten. Bislang hatte Bayer nur einen Anstieg des operativen Ergebnisses in Aussicht gestellt. Der Kurs der Bayer-Aktie legte nach der Mitteilung um knapp zwei Prozent zu und gehörte damit zu den größten Dax-Gewinnern.

Analysten positiv überrascht

Analysten bewerteten den Ausblick positiv und zeigten sich vor allem von dem Ergebnisanstieg im ersten Quartal überrascht. "Der Umsatz-Anstieg im ersten Quartal ist keine echte Überraschung, aber das operative Ergebnis ist außerordentlich gut", sagte WestLB Panmure-Analyst Andreas Theisen. "Das ist eine positive Überraschung", bestätigte ein weiterer Chemie-Analyst. Zudem sei in dem Vergleichswert von 840 Mill. ? ein hoher einmaliger Gewinn durch den Verkauf von Immobilien enthalten gewesen und seien in diesem Jahr keine vergleichbar hohen außerordentliche Gewinne bekannt.

Positiv bewerteten die Experten auch, dass Bayer weitere Vergleiche mit Geschädigten des vom Markt gerufenen Cholesterinsenkers Lipobay schließen konnte. Das sei ein weiterer Etappensieg für Bayer, sagte Silke Stegemann, Analystin bei der Landesbank Rheinland-Pfalz in Mainz.

Konzernchef Wenning betonte allerdings vor den Aktionären, dass der Ausgang und die finanziellen Auswirkungen der noch ausstehenden Verfahren im Zusammenhang mit Lipobay auch nach den Erfolgen in den ersten beiden US-Prozessen nicht vorauszusagen seien. Weitere Abschätzungen zum Umfang der Haftungsrisiken ließen sich nicht abgeben. Eine über den Versicherungsschutz hinausgehende Vorsorge sei daher bislang nicht erfolgt. Sollten sich die Kläger noch in erheblichem Umfang durchsetzen können, sei es aber weiterhin möglich, dass Bayer Belastungen ausgesetzt würde, die den versicherten Bereich übersteigen könnten.

Bisher seien ohne Haftungseingeständnis 740 Vergleiche mit Klägern geschlossen und dafür 219 Mill. Dollar aufgewendet worden. "Wir befinden uns derzeit bei mehreren hundert weiteren Fällen in Vergleichsverhandlungen", betonte Wenning. Die Zahl der Lipobay-Klagen betrage mittlerweile rund 8 600. Bislang waren rund 8 400 Klagen und rund 500 geschlossene Vergleiche bekannt.

Der Pharma- und Chemiekonzern hatte Lipobay 2001 vom Markt genommen, weil das Medikament im Verdacht steht, als Nebenwirkung Muskelschwäche mit tödlichem Ausgang verursachen zu können. Insgesamt werden rund 100 Todesfälle mit Lipobay in Zusammenhang gebracht. In zwei US-Gerichtsverfahren ist der Konzern bislang von jeglicher Haftung freigesprochen worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%