Umsatz schrumpft
Degussa sieht sich als tragende Säule im börsennotierten RAG-Konzern

Auf der voraussichtlich letzten Bilanzpressekonferenz als börsenotiertes Unternehmen hat Vorstandschef Utz-Hellmuth Felcht ein positives Bild vom Spezialchemiekonzern Degussa gezeichnet: „Wir werden der tragende Eckpfeiler im Portfolio einer börsenotierten RAG sein“, sagte er am Freitag in Düsseldorf.

DÜSSELDORF. Durch den erst von wenigen Tagen beschlossenen Verkauf der rentablen Bauchemie-Sparte an BASF für 2,8 Mrd. Euro sieht Felcht Degussa nicht geschwächt. „Wir haben zwar einen verlässlichen Ergebnisbringer verloren, aber der Kaufpreis war extrem attraktiv“, rechtfertigte er die Transaktion.

Felcht, der vor einem Jahr noch einen Wiederaufstieg der Degussa in den Dax angestrebt hatte, war lange gegen einen Verkauf der Bauchemie. Er musste sich aber dem Willen seines Mehrheitsaktionärs RAG beugen. Dessen Chef Werner Müller braucht den Verkaufserlös, um die insgesamt 3,4 Mrd. Euro teure vollständige Übernahme der Degussa zu finanzieren. Mit dem Düsseldorfer Energiekonzern Eon hat sich die RAG bereits vorab geeinigt, dessen 43-prozentigen Degussa-Anteil für 2,8 Mrd. Euro zu übernehmen. Nachdem die RAG nun mehr als 96 Prozent der Degussa-Anteile besitzt, kann sie über ein Squeeze-out-Verfahren die übrigen freien Aktionäre aus dem Unternehmen drängen. Bis Herbst dürfte die Degussa vom Kurszettel verschwinden.

Die vollständige Übernahme der Degussa ist eine wichtige Voraussetzung für den im Jahr 2007 geplanten Börsengang der RAG. Der frühere Bergwerkskonzern will dann seine kohlefernen Aktivitäten – die Degussa, den Stromerzeuger Steag sowie seine Immobiliensparte – an die Börse bringen. Der Mischkonzern will sich so von seinen Bergbaualtlasten freikaufen.

Mit dem Verkauf der Bauchemie, der bis zum Sommer besiegelt sein soll, schrumpft der Degussa-Umsatz um zwei Mrd. auf 9,7 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern vermindert sich um 223 Mill. auf 717 Mill. Euro. Degussa-Finanzchef Heinz-Joachim Wagner räumte ein, dass „wir etwa zwei Jahre brauchen werden, um die Ergebnislücke aus eigener Kraft zu schließen.“ Degussa hat ein Programm aufgelegt, das bis zum Jahr 2008 eine Ergebnisverbesserung von 300 Mill. Euro bringen soll.

Chemieanalyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe sieht den fairen Wert der Degussa-Aktie in der neuen Struktur bei 31 bis 32 Euro. Dies entspricht ziemlich exakt dem Betrag, den Eon für seine Degussa-Anteile

Degussa bereinigt Altlasten

Tiefrote Zahlen

Der weltgrößte Spezialchemiehersteller Degussa hat 2005 bei einem Umsatzplus von neun Prozent auf 11,8 Mrd. Euro 491 Mill. Euro Verlust gemacht. 2004 stand unter dem Strich noch ein Gewinn von 298 Mill. Euro .

Abschreibungen

Grund für das schlechte Ergebnis sind Wertberichtigungen von 836 Mill. Euro auf die Feinchemieaktivitäten. Die mit 3,3 Mrd. Euro Umsatz größte der fünf Degussa-Sparten verdiente als einzige die Kapitalkosten nicht.

Höhere Rendite

Degussa hat 2005 eine Rendite von 9,8 Prozent auf das eingesetzte Kapital erzielt und damit die internen Vorgaben übertroffen. Den – bescheidenen – Wertbeitrag von 77 Mill. Euro will der Vorstand bis 2008 kräftig erhöhen.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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