Umsatz wichtiger als der Gewinn
Konzerne kämpfen um Kunden

Bei den großen deutschen Unternehmen zeichnet sich zu Beginn der Berichtssaison für das erste Quartal ein Trendwechsel ab: Die Umsätze steigen rasant, aber die Gewinne enttäuschen vielfach. Die Gründe für diese Prioritätenverschiebung sind vielfältig.

DÜSSELDORF. Höhere Nachfrage der Kunden und Investitionen der Firmen sind der Grund. Der Kampf um Marktanteile gewinnt nach Jahren des Sparens die Oberhand. Das geht auf Kosten der Margen. Nach Berechnungen des Finanzdatenspezialisten JCF können die 30 Konzerne im Deutschen Aktienindex (Dax) im laufenden Jahr nur noch mit einem Gewinnplus von neun Prozent rechnen. Im vergangenen Jahr legten die Unternehmen 30 und ein Jahr davor sogar 76 Prozent zu. Bei JCF laufen die Prognosen aller großen Investmenthäuser und die Schätzungen der Unternehmen zusammen. „Die Erwartungen sind sehr niedrig. Am Ende kann angesichts der robusten Konjunktur etwas mehr rauskommen“, erwartet Carsten Klude von der Hamburger Privatbank M.M. Warburg.

Doch der Start der Berichtssaison gibt den Pessimisten erst einmal Recht. Zwar überraschte SAP mit hohen Umsätzen und Lizenzerlösen. Allerdings blieb der Nettogewinn – ebenso wie schon zuvor bei Schering – hinter den Erwartungen zurück. Die Softwareschmiede investierte in hoch qualifizierte Mitarbeiter und warb Kunden beim Dauerrivalen Oracle ab.

Starke Umsätze und enttäuschende Gewinne lieferte bereits eine Reihe prominenter Unternehmen wie Motorola und Yahoo in den USA und Philips in Europa. Analysten sind davon überzeugt, dass sich der Trend auch in Deutschland fortsetzt.

„Die Effekte aus Rationalisierungen verlieren an Kraft. Das Gewinnwachstum muss wieder durch Investitionen erarbeitet werden, was zu Lasten der Margen geht“, sagt Andreas Hürkamp von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Er rechnet im ersten Quartal bei den Dax-Konzernen mit einem Umsatzwachstum von acht Prozent auf 258 Mrd. Euro.

Hingegen zeichnet sich nach LRP-Berechnungen beim Nachsteuergewinn in den ersten drei Monaten „nur“ ein Wachstum von 14 Prozent auf 13 Mrd. Euro ab. Gemessen am Umsatzplus, ist das schwach. „Die Schere zwischen Gewinn- und Umsatzplus schließt sich zurzeit schneller, als der Markt angenommen hat“, sagt Hürkamp. Ein Viertel der Firmen muss im ersten Quartal sogar mit Gewinnrückgängen rechnen.

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