Umsatzbringer an Silvester
Das Geschäft mit dem Bumms

Zum Jahreswechsel macht die Silvesterindustrie kräftig Kasse. Über 100 Millionen Euro lassen sich die Bürger ihre Knallerei kosten. Wie Hoteliers, Sektkellereien und Böllerfabrikanten vom alljährlichen Wahn profitieren.
  • 7

DüsseldorfSternenregen, Raketen-Zischen und Knallerei: Wenn es in der Silvesternacht am Himmel wieder funkelt und blitzt, wird sich der Handel entspannt zurück lehnen und mit einem weiteren Mega-Umsatz ins neue Jahr 2012 starten. Unsummen geben die Deutschen zum Jahreswechsel aus. Mal, um böse Geister zu vertreiben, mal aus Spaß an der Freude, um das neue Jahr zu begrüßen. Dafür werden mehr als 113 Millionen Euro, so schätzt der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI), in einer Nacht mit Feuerwerk verballert.

Am 29. Dezember ist der Startschuss für den Verkauf im deutschen Einzelhandel gefallen, denn erst ab diesem Zeitpunkt darf - so will es der deutsche Gesetzgeber - das Feuerwerk zum Jahreswechsel verkauft werden. „Hauptsache, das Wetter spielt mit“, sagt der VPI-Geschäftsführer, Klaus Gotzen. „Mild und trocken wäre am besten.“ Dann muss die Branche, die in Deutschland noch rund 3.000 Mitarbeiter beschäftigt, in drei Tagen ihren kompletten Jahresumsatz erwirtschaften. Dabei nehmen Produktion und Logistik ganze zehn Monate in Anspruch - das bedeutet dem Verband zufolge für die Hersteller eine langfristige Vorfinanzierung der Waren. Pünktlich zum Verkaufsstart liegt das Feuerwerk dann in den Läden.

Umsatzbringer und bei Feuerwerkfreaks total angesagt sind derzeit Batterie-Feuerwerke. So ein Klotz wird nur einmal angezündet und feuert dann ein bis zu drei Minuten dauerndes Feuerwerk ab, das beinahe wie bei den Profis knallt. „Bequemlichkeit setzt sich durch“, meint Marco Finessi, Verkaufsleiter der Berliner Firma Pyro-Partner, die rund 4.000 Händler beliefert. „Die Leute haben keine Lust, 100 Mal zu zünden.“ Dem kämen Gesetzesänderungen entgegen: Seit zwei Jahren dürften Verbundfeuerwerke, wie die Batterien im Fachjargon heißen, bis zu 500 Gramm Schwarzpulver enthalten - das ist mehr als doppelt so viel, wie zuvor.

Die Namen dieser Klein-Feuerwerke klingen teils recht martialisch, zum Beispiel „Höllenmaschine“, „Night Attack“ oder „Resident Evil“. Für die Hersteller sind die Riesen-Kracher eine lukrative Geldquelle: Sie kosten zweistellige Euro-Beträge, für besonders große Teile müssen Kunden sogar um die 100 Euro hinlegen. Die ewigen Klassiker dagegen bleiben Raketen. Sie entlocken den Zuschauern andächtige „Aahs“ und „Oohs“, wenn sie nach dem typischen Zisch-Geräusch einen möglichst großen, glitzernden Strauß am dunklen Himmel bilden. 25 Millionen Stück hat allein der Marktführer Weco in Eitorf bei Bonn für dieses Silvester produziert. „Raketen sind und bleiben einfach der Favorit der Deutschen“, sagt Unternehmenssprecher Markus Schwarzer. „Am liebsten in Gold, das wirkt feierlich.“ Das habe wohl viel mit Nostalgie zu tun.

Auch Vulkan-Fontänen, Diamant-Sonnen, Tischfeuerwerk und Wunderkerzen finden zu Silvester guten Absatz. Böller und Knaller dagegen sind nach Angaben von VPI-Chef Gotzen seit einigen Jahren auf dem Rückzug: „Sie haben zwar auch noch ihre Freunde, aber die meisten Leute wollen lieber auch optisch was schönes haben.“

Laut VPI bleiben die Preise dieses Silvester stabil - noch. In den nächsten Jahren jedoch dürften Böller und Raketen deutlich teurer werden. Gründe seien zum einen die steigenden Lohnkosten in China, wo fast sämtliche Feuerwerkskörper hergestellt werden. Zum anderen würden voraussichtlich auch die Kosten für die Rohstoffe wie Papier und Chemikalien weiter steigen. Und nicht zuletzt werde auch die Lagerung, der Transport und die Zulassung der Artikel in Deutschland teurer.

Kommentare zu " Umsatzbringer an Silvester: Das Geschäft mit dem Bumms"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Kann ich nur zustimmen. Spass haben ohne jeden ökologisch sozialen und vernünftigen Grund. Da brauchen wir wieder viel mehr von. Ich habe keine Lust mehr für andere Leute Rechnungen zu bezahlen, weder hier noch sonstwo und ich füehle mich auch gar nicht schlecht wegen der noch nicht erfüellten Frauenquote bei den Waldarbeitern im bayerischen Wald. Sparen endet sowieso nur im Solidaritätswhateverbeitrag ohne dass ich mich solidarisch fühlen würde.

  • Schon klar - Brot statt Böller, Ziegen für Simbabwe, Bildung für Mädchen und gutes Gewissen oben drauf... Nur, man stelle sich vor "Ballern" kann auch Spass machen - einfach so und dass volkommen ohne schlechtes Gewissen :-) Prost

  • Mit 2011 endet das Jahr der (ärgsten) Lügen - bumms-bumms!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%