Umsatzeinbruch und Finanzkrise
Autozulieferer geraten in Finanznot

Die Krise der Automobilbranche weitet sich aus. Waren zunächst die Hersteller im großen Stil betroffen, bringt der Umsatzeinbruch nun auch die Zulieferbetriebe in Schieflage. BMW-Einkaufsvorstand Herbert Diess bestätigte im Gespräch mit dem Handelsblatt erste Hilfsanfragen kleinerer Betriebe - und zeichnet ein klares Zukunftsbild.

Handelsblatt: Herr Diess, sind Sie als BMW-Einkaufsvorstand eigentlich noch ein gern gesehener Gast Ihrer Zulieferer?

Diess: Wir sind nach wie vor sehr beliebt. Wir sind traditionell einer der Vorzugskunden der gesamten Branche, weil wir unter anderem sehr innovativ sind, die Zulieferer früh in die Entwicklung einbinden und an langfristigen Lieferantenbeziehungen interessiert sind. Momentan sind wir aber auch deswegen gern gesehen, weil wir gerade dabei sind, die Nachfolge für den BMW 3er im Lieferantenmarkt zu platzieren - und da geht es um ein Volumen von rund 100 Milliarden Euro über die Laufzeit des Modells.

Bisher will BMW bis zum Jahr 2012 die Materialkosten um vier Milliarden Euro senken. Laut Vorstandschef Norbert Reithofer übertrifft die Finanzkrise alle vorangegangenen. Müssen Sie in dieser dramatischen Situation noch einmal nachschärfen?

Nein, das glaube ich nicht. Natürlich ist die Situation für alle Seiten nicht einfacher geworden. Aber wir haben einen langfristigen Ansatz auf der Kostenseite. Das schwierige Marktumfeld spornt uns natürlich an. Wir sehen uns auf einem guten Weg und sind bisher vollkommen im Plan - und ich bin zuversichtlich, dass wir die vier Milliarden Euro liefern werden.

Vielen Zulieferern ist das Sparziel bereits jetzt zu hoch. Drehen Sie einigen Lieferanten nicht endgültig die Luft ab, wenn Sie mitten in der Finanzkrise auf weitere Einsparungen pochen?

Die schwierige Situation macht unsere Arbeit in der Branche nicht leichter - weder für uns noch für die Zulieferer. Aber man darf das nicht über einen Kamm scheren. Der Großteil unserer Partner ist hochprofitabel. Dennoch sehen wir mit Sorge, dass die Finanzkrise den Ausleseprozess unter den Lieferanten noch beschleunigen wird.

Sie rechnen also mit einer beschleunigten Konsolidierung unter den Zulieferern?

Absolut. Dieser Prozess, der ja bereits seit Jahren zu beobachten ist, wird sicher in der Krise noch an Tempo gewinnen. Ich glaube aber, dass die deutschen Lieferanten, die vielfach langfristig erfolgreiche Geschäftsmodelle verfolgen und große Stärken in der Innovation besitzen, dauerhaft zu den Gewinnern dieser Entwicklung zählen werden.

Gehen Sie davon aus, dass Sie einigen Zulieferern in den nächsten Monaten unter die Arme greifen müssen?

Wir haben schon mehrere Anfragen auf dem Schreibtisch, ob wir kurzfristig aushelfen könnten. Viele Banken sind noch immer sehr zurückhaltend, weshalb einige Zulieferer nun in Liquiditätsschwierigkeiten geraten. Natürlich versuchen wir, Versorgungsprobleme zu vermeiden, indem wir in solchen Fällen gemeinsam mit anderen Herstellern kurzfristige Stützungen ins Auge fassen. Eine Finanzspritze kann aber nur die Ausnahme sein. Wir streben dann eher eine langfristig industriell tragfähige Lösung an, durch Konsolidierung oder Restrukturierung.

In der Vergangenheit hat BMW auch über die hohen Rohstoffkosten geklagt, viele Zulieferer haben Preisgleitklauseln und die Kosten an Sie durchgereicht. Ändern Sie jetzt Ihre Politik?

Das muss man differenziert sehen. Eine Gießerei hat sicherlich höhere Rohstoffkosten als beispielsweise ein Getriebehersteller. Da gehen wir schon davon aus, dass der Zulieferer seinen Beitrag leistet und nicht alle Kosten bei uns landen.

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