Umsatzplus
Jaguar gelingt das Comeback

Der britische Luxusautohersteller Jaguar hat die Krise hinter sich gelassen: Das einstige Sorgenkind des indische Autokonzerns Tata Motors erwirtschaftet wieder Gewinne, legt beim Absatz deutlich zu - und will nun auch in China expandieren.
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LONDON. Am Anfang war er selbst skeptisch. Ob die beiden Unternehmen überhaupt zueinander passen: der indische Autokonzern Tata Motors, der den Billigwagen Nano herstellt, und die beiden britischen Luxusmarken Jaguar und Land Rover?

"Bevor ich diesen Job übernommen habe, war das meine größte Sorge", sagte Carl-Peter Forster, seit Anfang dieses Jahres Chef von Tata Motors und damit Herr über die britischen Nobelkarossen, im Gespräch mit Journalisten Ende vergangener Woche. "Doch die Sorge hat sich als unbegründet herausgestellt", betonte Forster. Es sei keinesfalls von Nachteil für Jaguar Land Rover ein Teil von Tata Motors zu sein. Und der Manager hat gute Argumente dafür.

Jaguar Land Rover, zunächst ein Verlustbringer für den indischen Mischkonzern Tata und auch für den Vorbesitzer Ford lange ein Sorgenkind, erwirtschaftet wieder Gewinne, legt beim Absatz deutlich zu und stellt etwa 2000 neue Mitarbeiter ein. Die Pläne, eine der drei Fabriken in Großbritannien zu schließen, hat das Unternehmen abgeblasen. Statt dessen spricht Forster von Expansion, von neuen Modellen, von zusätzlichen Motoren, die der Traditionshersteller selbst entwickeln und nicht - wie bisher - von Ford beziehen will. Es ist ein erstaunliches Comeback, das Jaguar Land Rover gelungen ist.

Vor zwei Jahren hat Tata Motors den britischen Autohersteller für 2,3 Milliarden Dollar gekauft. Für Alteigentümer Ford war es ein schlechter Deal, immerhin hatte der amerikanische Konzern einst weit mehr als das Doppelte für die beiden Edelmarken bezahlt.

Für Tata war der Einstieg auf dem britischen Automarkt aber auch kein Schnäppchen - zumal Jaguar Land Rover in den Sog der Finanzkrise geriet. Der Markt für Luxusfahrzeuge brach ein. Hatte Jaguar Land Rover 2008 noch gut 250000 Autos abgesetzt, waren es ein Jahr später gerade mal 198000. Vor allem den für Jaguar wichtigen US-Kunden fehlte das Geld, um sich einen neuen Wagen zu kaufen. Und für Tata wurde es schwierig, die Investitionen aufzubringen, um die veralteten Jaguar-Fabriken auf Vordermann zu bringen und neue Modelle zu entwickeln.

Der indische Konzern verordnete seinem Zukauf statt dessen einen energischen Sparkurs. Das Werk in Birmingham mit 2500 Mitarbeitern sollte geschlossen werden. Insgesamt beschäftigt Jaguar Land Rover 16000 Menschen.

In diesem Jahr geht es für das Unternehmen wieder aufwärts und das liegt an zwei Faktoren. Jaguar Land Rover hat seine Kosten deutlich gesenkt. Neue Vereinbarungen mit der Gewerkschaft machten es möglich. "Wie haben jetzt niedrigere Ausgaben und eine höhere Flexibilität als früher, um Leute da einzusetzen, wo sie gebraucht werden", sagte Forster. Das Werk in Birmingham ist gerettet.

Zudem profitiert das Unternehmen vom Konjunkturaufschwung und der steigenden Nachfrage nach Luxusgütern. Obwohl die Umsätze auf dem weltweiten Automarkt in den ersten neun Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent zurückgingen, legten sie bei Jaguar Land Rover um 17 Prozent zu.

Zwischen April und September hat Jaguar Land Rover einen Nachsteuergewinn von 460 Millionen Pfund eingefahren - nach einem Minus von 125 Millionen Pfund im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Für das gesamte Geschäftsjahr erwarten Experten einen Überschuss von mehr als einer Milliarde Pfund.

Forster will den Autoabsatz von in diesem Jahr voraussichtlich 250000 auf mehr als 300000 steigern. Vor allem der Jaguar-Anteil an der Zahl der verkaufen Wagen soll steigen - unter anderem mit Hilfe neuer Modelle. So soll die Modellpalette von drei auf fünf erweitert werden. Ein Roadster und ein Einstiegsmodell sollen hinzukommen.

Einen Wachstumsschub erhofft sich das Unternehmen auch aus China. Derzeit verhandelt Jaguar Land Rover mit möglichen Kooperationspartnern, um in China eine Fabrik aufzubauen. Nach Angaben der Financial Times wollen die Briten dort 50 000 Autos im Jahr bauen und 5000 Leute einstellen.

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