Umsatzprgnose revidiert
Heidelberger Druck will Schwarz sehen

Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck stellt nach dem ersten Jahresverlust der Firmengeschichte seine Strategie auf den Prüfstand. Der Konzernvorstand schließt den Ausstieg aus der defizitären Produktion von Rollenoffset- oder Digital-Druckmaschinen nicht mehr aus.

Reuters HEIDELBERG. „Wir prüfen da alle Optionen“, sagte Vorstandschef Bernhard Schreier am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Heidelberg. Dazu zähle auch die Suche nach Partnern, die die Mehrheit an einer Sparte übernehmen könnten. „Ob wir an der einen oder anderen Ecke eine Partnerschaft eingehen müssen, um Kostendruck heraus zu nehmen, könnte Teil einer Strategie sein.“

Die Aktionäre gehen nach dem vergangenen Verlustjahr erstmals seit dem Börsengang 1997 leer aus. Vor einem Jahr hatte die Gesellschaft noch 1,40 € je Aktie gezahlt. Wegen der Krise in der Medien- und Werbebranche erwartet Heidelberger Druck für das Geschäftsjahr 2003/04 (zum 31. März) einen erneuten Umsatzrückgang um bis zu zehn Prozent. Das Ergebnis werde unter dem Strich „sehr wahrscheinlich“ noch einmal negativ ausfallen. „Sollte das Tal noch tiefer werden, müssen wir ab Herbst mit weiteren Maßnahmen gegensteuern“, kündigte Schreier an. „Dann muss es noch tiefere Einschnitte geben.“

Im vergangenen Geschäftsjahr lag das betriebliche Ergebnis noch bei 102 (Vorjahr: 356) Mill. €, Einmalkosten für die Sanierung führten den Konzern aber zu einem Nettoverlust von 138 (2001/02: plus 201) Mill. €. Die Flaute in der Druck- und Medienindustrie und in der Werbewirtschaft ließ den Umsatz um 18 % auf 4,13 Mrd. € einbrechen.

Die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie gab am Donnerstag gegen den Markttrend um mehr als fünf Prozent auf 20,70 € nach. „Bei dem Ausblick ist wohl auch für das nächste Jahr keine Dividende zu erwarten“, begründete ein Händler den Kursrutsch.

Das erwartete neuerliche Umsatzminus glaubt Heidelberg durch sein 210 Mill. € teures Einsparprogramm noch abfedern zu können. „Ziel ist, im laufenden Geschäftsjahr mit einer verbesserten Kostenstruktur - auch bei einem weiteren Umsatzrückgang von bis zu zehn Prozent - ein ausgeglichenes Betriebsergebnis zu erreichen“, sagte Schreier. Vor allem wegen der Anlaufverluste des Digitaldruck-Gemeinschaftsunternehmens „NexPress“ mit Kodak ergibt sich daraus nach Steuern ein Verlust. Dieser werde aber niedriger ausfallen als 2002/03, sagte Finanzchef Herbert Meyer zu Reuters. Erst 2004/05 sollen unter dem Strich wieder schwarze Zahlen stehen. „Da bin ich mir sehr sicher“, gab sich Vorstandschef Schreier überzeugt.

Heidelberger wollen mit aggressiver Preispolitk

Analyst Kristian Gevert von Credit Suisse First Boston sagte: „Das Unternehmen steht derzeit zwei Problemen gegenüber: der aktuellen Flaute der Druckindustrie und der großen Branchenmesse (drupa) im Mai 2004, bis zu der die Kunden sicher Bestellungen zurückhalten werden.“ Dies spüren auch die größten Konkurrenten MAN Roland und Koenig & Bauer. Daher hat Schreier Heidelberger Druck eine aggressive Preisstrategie verordnet. „Wir müssen die besten Positionen im Markt besetzen.“ Schlüssel zu einer Rückkehr in die schwarzen Zahlen sind die verlustträchtigen Bereiche Rollenoffset-Druck, Digitaldruck und Weiterverarbeitung (Postpress). Sie sollen 2004/05 keine Verluste mehr schreiben. An der Strategie, als Komplettanbieter aufzutreten, hält Schreier fest. Die Suche nach Partnern sei aber strategische Option.

Kurzarbeit mindestens bis Oktober

Die Krise versucht Heidelberg derzeit mit dem Abbau von 3200 der 25 000 Arbeitsplätze, mit Standortschließungen und Kurzarbeit aufzufangen. Damit sollen die Kosten um rund 280 Mill. € jährlich sinken. Selbst in den Werken für Bogendruck-Maschinen - der einzige Bereich, in dem Heidelberg Geld verdient - wird bis mindestens Oktober kurz gearbeitet.

Die Nachfrage auf den wichtigsten Märkten Deutschland und USA werde sich 2002/03 eher nochmals abschwächen, sagte Meyer. In den Monaten April und Mai seien der Umsatz auf 426 (Vorjahr: 541) Mill. € und die Neuaufträge auf 486 (767) Mill. € geschrumpft.

Der RWE-Konzern hält gut 50 % an Heidelberger Druck, hat die Beteiligung jedoch zum Verkauf gestellt. Den gegenwärtigen Aktienkurs hält RWE dafür aber für zu niedrig.

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