Umsatzprognose
Chemiebranche legt nur noch leicht zu

Trotz Belebung der Chemiekonjunktur drosselt die Branche ihre Umsatzprognose. Für das Gesamtjahr wird ein Anstieg von lediglich einem Prozent erwartet. Schuld sind die gesunkenen Preise für wichtige Rohstoffe.
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FrankfurtDie Chemieindustrie muss bei ihren Umsatzzielen wegen rückläufiger Rohstoffpreise erneut Abstriche machen. Trotz Anzeichen für eine Belebung der Chemiekonjunktur im weiteren Jahresverlauf drosselte die Branche zum zweiten Mal in Folge seine Umsatzprognose für dieses Jahr. Grund sind die gesunkenen Preise für wichtige Rohstoffe wie etwa Rohbenzin (Nafta), die Chemieunternehmen an ihre Kunden weiterreichen, wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Mittwoch mitteilte. Für das Gesamtjahr rechnet Deutschlands drittgrößter Industriezweig nach Autobranche und Maschinenbau jetzt nur noch mit einem Anstieg des Umsatzes von einem Prozent auf 188,7 Milliarden Euro.

Bereits im Juli hatte VCI-Präsident und Merck -Chef Karl-Ludwig Kley die Jahreserwartung für den Zuwachs des Branchenumsatzes auf 1,5 Prozent von zuvor zwei Prozent zurückgenommen. Auch da hatte er sinkende Rohstoffpreise als den Hauptgrund angeführt. Inzwischen geht Kley davon aus, dass die Chemiefirmen im Gesamtjahr bei ihren Preisen Nachlässe von 0,5 Prozent gewähren müssen. Vor zwei Monaten hatte er noch stabile Preise erwartet, noch zu Jahresbeginn war ein Preisanstieg von 0,5 Prozent in Aussicht gestellt worden.

Trotz der schwächeren Umsatzziele rüttelte Kley nicht an seiner Prognose für die Chemikalienproduktion. Erwartet wird 2013 wie bisher ein Anstieg um 1,5 Prozent. Zur Entwicklung der Chemiekonjunktur äußerte sich der VCI-Präsident positiv. "Es mehren sich die Anzeichen für eine Belebung des Chemiegeschäftes im zweiten Halbjahr. Die Nachfrage im Inland ist robust. Die Auslandsmärkte zeigen teilweise eine ansteigende Dynamik", sagte Kley. Für Unsicherheit sorge aber weiter die Staatsschulden-Krise in Europa und die brenzlige Lage im Nahen Osten. Der VCI vertritt die Interessen von rund 1650 Chemieunternehmen in Deutschland, darunter Branchengrößen wie BASF, Bayer, Evonik, Merck und Lanxess.

Die Reformprogramme in Europa griffen allmählich. Zudem seien keine neuen Sparprogramme geplant, die das Wirtschaftswachstum zusätzlich dämpfen könnten, erklärte der Verband. "Die europäische Industrieproduktion steigt daher in der zweiten Jahreshälfte weiter an und mit ihr legt auch die Nachfrage nach Chemikalien zu", so der VCI. Europa ist nach wie vor der größte Markt für deutsche Chemieprodukte.

Im zweiten Quartal bauten die Unternehmen ihre Chemikalienproduktion um 2,6 Prozent aus - vor allem das Pharmageschäft erwies sich als Stütze. Dabei waren die Anlagen der Unternehmen im Schnitt zu 82,8 Prozent ausgelastet. Der Branchenumsatz nahm von April bis Juni binnen Jahresfrist um 1,6 Prozent auf 45,9 Milliarden Euro zu. Dabei weiteten die Unternehmen ihre Geschäfte im Inland und Ausland aus. Die Erzeugerpreise sanken dagegen um 0,9 Prozent. Bei den Beschäftigten weist der Pfeil leicht nach oben: Die Zahl der Chemiebeschäftigten nahm im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zu. (Reporter: Frank Siebelt; redigiert von Till Weber)

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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