Umsatzprognose gesenkt
Bauindustrie erwartet moderates Wachstum

Chinas und Indiens Hunger nach Stahl-, Kupfer- und Erdölprodukten treibt auch in der Bundesrepublik die Baustoff- und Baumaterialpreise in die Höhe. Doch trotz niedriger Gewinnmargen und einer schwachen Entwicklung im Wohnungsbau geht es in der deutschen Bauindustrie weiter aufwärts.

DÜSSELDORF. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) hat zwar seine Umsatzprognose für 2007 auf 4,5 von 5,0 Prozent gesenkt. Dennoch gebe es gute Chancen, dass der Aufschwung ungeachtet der gesamtwirtschaftlichen Risiken über die Jahreswende hinweg trage. „Wir halten ein Umsatzplus für 2008 von drei Prozent für möglich“, erklärte der HDB-Präsident Hans-Peter Keitel in Berlin. Trotz der insgesamt positiven Umsatzerwartungen bereiten der Branche vor allem die Preiserhöhungen bei Baumaterialien und der zunehmende Fachkräftemangel, insbesondere von Bauingenieuren, Sorgen. „Für uns stehen zum einen die sprunghaft steigenden Baustoffpreise, zum anderen aber auch sich allmählich abzeichnende Kapazitätsengpässe im Vordergrund“, sagte Keitel.

Der Hunger der neuen wirtschaftlichen Wachstumszentren China und Indien nach Stahl-, Kupfer- und Erdölprodukten treibe auch in Deutschland die Baustoff- und Baumaterialpreise in die Höhe, wie bei Betonstahl um knapp 15 Prozent, Bitumen um über sieben Prozent oder Halbzeug aus Kupfer um 6,6 Prozent. Diese Preissteigerungen fräßen den Umsatzanstieg zu einem guten Teil wieder auf. „Bei einem Preisanstieg von drei bis vier Prozent bleibt am Ende ein reales Umsatzplus von 0,5 bis 1,5 Prozent übrig“, sagte Keitel. Die Gewinnmarge der Baufirmen liege weiter unter einem Prozent.

Hinzu kämen Engpässe beim Personal. Vor allem bei Bauingenieuren sei die Arbeitskräftereserve fast ausgeschöpft, sagte Keitel. Gleichzeitig sei die Zahl der Studienabsolventen weiter gesunken. Auch bei den gewerblichen Fachkräften sei der Arbeitsmarkt ausgetrocknet. Im laufenden Jahr erwartet Keitel daher nur einen Anstieg der Beschäftigung um ein Prozent auf 718 000 Beschäftigte.

Während der Wirtschaftsbau weiter das Wachstum ankurbele, leide der Wohnungsbau immer noch unter den Spätfolgen der Sonderkonjunktur 2006. Dies treffe in erster Linie kleinere Betriebe. Das Auslaufen der Eigenheimzulage und vor allem die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung hatte viele private Häuslebauer dazu veranlasst, ihre Projekte ins Jahr 2006 vorzuziehen.

Keitel begrüßte, dass neben mittlerweile 20 Hochbauprojekten nun endlich auch zwei Verkehrsprojekte als öffentlich-private Partnerschaften (Public Private Partnership) realisiert werden. Der Bau von Mautstraßen gilt europaweit als Wachstumsmarkt, kommt aber in Deutschland nicht so richtig in die Gänge. Mit der Vergabe der Autobahnteilstücke A8 Augsburg München und A4 Umfahrung Hörselberge ist nun ein erster Schritt bei den Ausbau-Strecken (A-Modelle) getan worden.

Deutschlands größter Baukonzern Hochtief hat mit Vinci aus Frankreich den Auftrag für ein 45 Kilometer langes Teilstück der A 4 in Thüringen zwischen Gotha und Eisenach erhalten. Sie planen, finanzieren, bauen und betreiben die Autobahn anschließend über 30 Jahre. Das Projekt hat laut Hochtief ein Bauvolumen von 300 Mill. Euro. Refinanziert werden die A-Modelle, indem die Unternehmen während der Betriebszeit die LKW-Maut sowie eine staatliche Anschubfinanzierung erhalten. Bei der A8 war Hochtief nicht zum Zuge gekommen. Den Zuschlag für das 250 Mill. Euro teure Projekt hatte ein Konsortium aus den niederländischen Baufirmen Royal BAM und Fluor, der französischen Egis sowie den deutschen F.C. Trapp und Berger Bau erhalten. Zwei weitere A-Modelle sind in der Ausschreibung. Bei der A1 in Niedersachsen auf der Strecke zwischen Hamburg und Bremen tritt Hochtief nur noch gegen Bilfinger Berger an. Bei der A5 in Baden-Württemberg stehen Hochtief und Bilfinger mit noch zwei Bewerbern in der ersten Runde.

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