Umsatzprognose nach unten korrigiert
Conti streicht jede vierte Stelle am Stammsitz

120 der 520 Beschäftigten beim Autozulieferer Continental am Stammsitz in Hannover verlieren voraussichtlich ihren Job, teilte der Konzern am Montag mit. Hintergrund ist die anhaltende Absatzflaute im Lkw-Reifengeschäft. Der Betriebsrat befürchtet noch mehr Stellenstreichungen. Derweil korrigierte Conti seine Umsatzprognose nach unten.

HB HANNOVER. Die Zahl der wöchentlichen Schichten werde um fünf auf 15 gekürzt, so Conti weiter. Der Betriebsrat rechnet sogar mit bis zu 160 wegfallenden Arbeitsplätzen, da dieses Jahr vollzogene Volumenreduzierungen bislang nicht in Stellenstreichungen gemündet seien. "Das ist der Anfang vom Ende des Standorts Stöcken", sagte der für die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat sitzende Michael Deister. An den um knapp zwei Drittel billiger produzierenden Standorten im slowakischem Puchov und im tschechischen Otrokovice soll die Belegschaft hingegen stabil bleiben. "Wir hätten es als fair empfunden, die Einschnitte auf die drei Standorte zu verteilen", sagte Deister. "Das Management muss mit unserem Widerstand rechnen."

In den ersten acht Monaten verbuchte Conti im europäischen Lkw-Ersatzreifengeschäft ein Minus von fast zehn Prozent. Zeichen der Besserung gebe es nicht, teilte der Konzern mit. Europaweit verkleinere Conti die Produktion von Lkw-Reifen bis zum Frühjahr 2009 um 6,5 Prozent. Das Minus entfällt fast ausschließlich auf Hannover-Stöcken, wo Conti künftig nur noch eine Million Reifen jährlich herstellen will, 23 Prozent weniger als bislang. In Puchov laufen derzeit 2,3 Million Reifen und in Otrokovice 0,5 Mill. vom Band, dort soll es nur geringe Produktionskürzungen geben.

Der neue Vorstandschef Karl-Thomas Neumann folgt mit dem Schrumpfkurs in Deutschland dem von seinem Vorgänger eingeschlagenen Kurs. Der vor Kurzem abgetretene Manfred Wennemer hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er billigeren Produktionsstandorten im Zweifel den Vorzug gibt. Im November 2007 hatte Conti nach erbittertem Kampf mit den Gewerkschaften die Produktion von Pkw-Reifen in Stöcken eingestellt.

Einem Großteil der betroffenen Beschäftigten will Conti einen anderen Arbeitsplatz im Konzern im Raum Hannover anbieten. Insgesamt verfüge das Unternehmen in Deutschland über mehr als 1 000 offene Stellen, hieß es.

Wie andere Autozulieferer spürt Continental die Branchenflaute. Sein für 2008 ursprünglich angepeiltes Umsatzziel von 26,4 Mrd. Euro wird der Konzern wohl nicht erreichen. Nachdem Conti am Wochenende seine Renditeerwartungen (Ebit-Marge) um 0,8 Punkte auf 8,5 Prozent gesenkt hatte, deutete das Unternehmen am Montag auch eine Senkung der Umsatzprognose an. Bei der Vorlage von Quartalszahlen Ende Oktober will Conti eine neue Zahl nennen. Dabei sei zu bedenken, dass Conti Teile der von Siemens übernommenen Autoelektroniksparte VDO weiterverkauft habe. Zudem belaste die konjunkturelle Entwicklung die Umsatzentwicklung, sagte ein Firmensprecher.

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