Umsatzrekord
Dillinger Hütte baut auf eigene Stärke

Der saarländische Stahlhersteller Dillinger Hütte (DH) verfolgt gespannt den Übernahmekampf zwischen Mittal Steel und dem DH-Mehrheitsaktionär Arcelor. Zwar lehnte es der scheidende Vorstandschef Michel Maulvault ab, sich zu der laufenden Auseinandersetzung der beiden weltgrößten Stahlproduzenten zu äußern. Um die Zukunft der DH macht sich Maulvault aber wenig Sorgen.

DILLINGEN. „Die Dillinger Hütte hätte auch im Mittal-Verbund eine Alleinstellung“, sagte der Franzose am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Dillingen. Mittal Steel will Arcelor für 20 Mrd. Euro übernehmen und den Kaufpreis zum größten Teil mit eigenen Aktien finanzieren. Das Arcelor-Management wehrt sich heftig gegen den Angriff. Zuletzt kursierte das Gerücht, der luxemburgische Stahlkonzern könne seine 51,25-prozentige DH-Beteiligung abstoßen, um sich weniger attraktiv für Mittal zu machen. Als Kaufinteressent für das Arcelor-Paket an der DH gilt der niedersächsische Stahl- und Röhrenkonzern Salzgitter. Beide Unternehmen sind bereits Partner im Gemeinschaftsunternehmen Europipe, das Großrohre (Pipelines) für die Öl- und Gasindustrie herstellt.

Die DH wäre aufgrund der komplizierten Eigentumsverhältnisse von einem Wechsel in ihrem Aktionärskreis ohnehin kaum betroffen. Sie ist durch eine gegenseitige Aktienbeteiligung eng mit ihrer Schwestergesellschaft Saarstahl verbunden. Eine Auflösung dieser engen Bindung erfordert laut Satzung eine Stimmenmehrheit von 70 Prozent. „Die Möglichkeiten, bei der Dillinger Hütte operativ Einfluss zu nehmen sind ziemlich begrenzt“, sagt ein Kenner der saarländischen Stahlindustrie.

Ein lukratives Übernahmeziel wäre die DH allemal. Die Hütte hat sich in den vergangenen Jahren auf höherwertige Produktgüter spezialisiert. Mit dieser Strategie gelang es dem Unternehmen, sich dem starken Wettbewerbsdruck im Massenmarkt zu entziehen. Dort tummeln sich viele osteuropäische Anbieter, die gegenüber der DH deutliche Kostenvorteile haben.

Die DH hat 2005 den Umsatz um 37 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro gesteigert. Erstmals in ihrer Geschichte hat die Hütte die Marke von zwei Mrd. Euro übertroffen, was bei nahezu unverändertem Absatz vor allem auf das Konto höherer Preise ging. Da außerdem alle Produktionsanlagen ausgelastet waren, verbesserte sich der Jahresüberschuss von 50 Mill. Euro im Vorjahr auf knapp 203 Mill. Euro. Falls die Ausschüttung im gleichen Umfang steigt wie der Gewinn, dürften die Aktionäre für 2005 insgesamt 60 Mill. nach 15 Mill. Euro im Vorjahr erhalten. Rund die Hälfte davon entfiele auf Arcelor.

Der neue DH-Chef Paul Belche, der im April Maulvaults Nachfolge antritt, geht davon aus, dass die Dillinger Hütte auch 2006 ein gutes Geschäftsergebnis erzielen wird. „Die Nachfrage nach unseren Produkten ist weiterhin hoch, und im Moment sind keine Anzeichen erkennbar, dass die positiven Marktbedingungen im zweiten Halbjahr schlechter werden“, sagte er. Auf eine exakte Ergebnisprognose wollte sich Belche allerdings nicht festlegen. Grund sind insbesondere die Erzpreise. Diese hatten sich bereits 2005 um 70 Prozent verteuert, und Experten erwarten für 2006 einen weiteren Anstieg um mindestens zehn Prozent.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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