Umsatzrendite soll sich bis 2010 verdoppeln
Hitachi erwägt Verkauf schwacher Sparten

Japans größter Mischkonzern Hitachi erwägt den Verkauf verlustreicher Kernsparten. Nach Aussage von Firmenchef Kazuo Furukawa will sich Hitachi von Geschäftsbereichen trennen, deren Vorsteuergewinn nicht dauerhaft über den Kosten des eingesetzten Kapitals liegt. Auf diese Weise will er die Umsatzrendite des Konzerns bis Ende März 2010 auf fünf Prozent verdoppeln.

TOKIO. „Keine Sparte ist heilig“, betonte Präsident Kazuo Furukawa am gestrigen Donnerstag bei der Präsentation seines Mittelfristplans. Vor allem das Festplatten- und Bildschirmgeschäft fahren derzeit Verluste ein. Ihnen gibt das Management nun eine letzte Chance.

Analysten zeigten sich jedoch skeptisch. Hitachi hatte schon in seinem letzten Mittelfristplan eine Umsatzrendite von fünf Prozent für 2006 in Aussicht gestellt, das Ziel aber weit verfehlt. Jetzt wird es auf 2010 verschoben. Der riesige Mischkonzern hat sich bisher schwerer als Konkurrenten wie etwa Fujitsu damit getan, Geschäftsbereiche zu verkaufen. Ob Furukawa dies ändern wird, bleibt abzuwarten. Er steht erst seit diesem Frühjahr an der Spitze Hitachis.

Am Donnerstag forderte Furukawa zumindest, Hitachis Resourcen stärker auf Bereiche zu konzentrieren, die Wachstum und hohe Gewinnmargen versprechen. Während der Konzern nach eigenen Angaben bislang bei rund 30 Prozent seines Geschäfts den größten oder zweitgrößten Marktanteil weltweit besitzt, soll diese Quote bis zum Geschäftsjahr 2009/10 auf 40 Prozent steigen. Analyst Koichi Hariya von Mizuho Securities vermisst jedoch konkrete Pläne, wie der Konzern den Sprung zurück in den Club der profitableren Großkonzerne schaffen will.

Unter dem neuen Konzernchef Furukawa hat sich Hitachi in den vergangenen Monaten allerdings bereits deutlich bewegt. Das Atomreaktorgeschäft legt Hitachi, wie vor wenigen Tagen verkündet, in zwei Gemeinschaftsunternehmen mit General Electric (GE) zusammen. Die Sparte Automobilzubehör stärkt der Konzern durch ein Übernahmeangebot für den japanischen Anbieter Clarion. Auch für andere Sparten, etwa die IT-Dienstleistungen, sucht Furukawa nach internationalen Partnern.

Doch gerade in seinem Antrittsjahr sieht sich Furukawa mit Hitachis Rückfall in die roten Zahlen konfrontiert. Unter anderem wegen hoher Rückstellungen für die Reparatur schadhafter Kraftwerksturbinen erwartet Hitachi im laufenden Geschäftsjahr 336 Millionen Euro (50 Milliarden Yen) Nettoverlust. Konkurrent Toshiba dagegen konnte seine Gewinne in dieser Branche deutlich steigern.

Bei einem Umsatzanstieg von knapp drei Prozent auf gut 65 Milliarden Euro rechnet Hitachi damit, dass der operative Gewinn um 30 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro einbrechen wird.

Ein Grund dafür sind die drei Verlustsparten Festplattengeschäft, Flachbildschirme und Energieanlagen. Sie sollen bis zum kommenden Geschäftsjahr schwarze Zahlen schreiben. Das Festplattengeschäft hatte Hitachi IBM im Jahr 2003 abgekauft und seither stetig Geld damit verloren. Ein Problem, meint Furukawa, war bisher, dass der Konzern nicht konsequent auf profitablere Bereiche ausgerichtet worden sei. In den kommenden Jahren will er zudem die Zahl der Tochtergesellschaften im verschachtelten Konzern von 885 auf 700 senken. Wachstumsmotor ist das Ausland, wo Furukawa in drei Jahren 45 statt bisher 38 Prozent des Umsatzes erwirtschaften will.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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