Umsatzrendite
Voestalpine legt die Messlatte hoch

Unternehmensgröße allein ist noch keine Erfolgsgarantie. Ein Vergleich der aktuellen Geschäftszahlen der vier europäischen Flachstahlproduzenten Arcelor Mittal, Thyssen-Krupp, Salzgitter und Voestalpine kommt zu einem überraschenden Resultat.

DÜSSELDORF. Nicht etwa Branchenprimus Arcelor Mittal hat dabei die Nase vorn, sondern der – gemessen an der Produktionsmenge – kleinste Vertreter in diesem Quartett, der österreichische Stahlhersteller Voestalpine.

Der Konzern mit Sitz in Linz an der Donau hat im zweiten Kalenderquartal in seiner Division Stahl bei einem Umsatz von 965 Mill. Euro ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 187 Mill. Euro erzielt. Daraus ergibt sich eine Ebit-Marge von 19,4 Prozent. Ähnlich gut wie Voestalpine schlägt sich der schuldenfreie deutsche Stahlhersteller Salzgitter. Der niedersächsische Konzern erwirtschaftete im selben Zeitraum, von Anfang April bis Ende Juni 2007, ein Ergebnis vor Steuern von 196 Mill. Euro. Nach Berechnungen des Handelsblatts betrug die Umsatzrendite vor Steuern (EBT) 18,8 Prozent.

Salzgitter selbst beziffert die Marge „im bisher besten Quartal“ sogar mit 26,5 Prozent. Um das Unternehmen aber besser mit den drei Konkurrenten vergleichen zu können, hat das Handelsblatt als Bezugsgrößte den Gesamtumsatz von 1,04 Mrd. Euro gewählt, in dem auch der konzerninterne Umsatz mit dem Unternehmensbereich Handel enthalten ist. Salzgitter wählt hier den hier um 300 Mill. Euro niedrigeren Außenumsatz.

Zwar hat auch der größte deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp im zweiten Kalenderquartal prächtig verdient. Unter Ausklammerung des erstmals im Segment Steel konsolidierten Bereichs Umformtechnik kommt der Konzern bei 3,1 Mrd. Euro Umsatz und einem Ergebnis vor Steuern (EBT) von 504 Mill. Euro jedoch nur auf eine Marge von 16,4 Prozent. Branchenprimus Arcelor Mittal musste sich in der Sparte Flachstahl Europa sogar mit einer Ebit-Marge von 13,2 Prozent begnügen. Würde man das negative Zinsergebnis von Arcelor Mittal miteinbeziehen, wäre der Renditeabstand zur Konkurrenz sogar noch etwas größer.

Nach Ansicht des Branchenexperten Hermann Reith von der BHF-Bank in Frankfurt sind die aktuellen Zahlen zwar nur „eine Momentaufnahme“. Aber es sei unverkennbar, dass „die Konsolidierung der osteuropäischen Stahlwerke die Umsatzrendite von Arcelor Mittal verwässert“. Mit kräftigen Investitionen in die Modernisierung der alten Anlagen steuere der Konzern aber gegen.

Die guten Zahlen von Voestalpine resultieren vor allem aus einem Standortvorteil: Im Umkreis von 500 Kilometer rund um Linz gibt es keine größeren Stahlwerke, dafür aber viele lukrative Kunden. „Um die Vormachtstellung von Arcelor Mittal nicht noch größer werden zu lassen, sind die Kunden an mehreren leistungsfähigen Stahlzulieferern interessiert“, sagt Klaus Küng von der Raiffeisen-Centrobank in Wien. Deshalb gelänge es Voestalpine auch, bei Kunden wie dem französischen Hersteller Peugeot noch etwas höhere Verkaufspreise zu erzielen. Beim Münchener Premiumanbieter BMW sind die Österreicher bereits der größte Stahllieferant. An der Börse überzeugt Voestalpine ebenfalls: Auch hier gilt: Klein schlägt Groß.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Redakteur
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