Umsatzsprung im Januar und Februar - Festbeträge verunsichern die Branche weiter
Deutscher Pharmamarkt erwartet neuen Aufschwung

Nach den Einbußen des Vorjahres kann die deutsche Pharmabranche im laufenden Jahr auf eine deutliche Erholung hoffen. Darauf deuten unter anderem sehr starke Zuwächse in den ersten beiden Monaten hin. Darüber hinaus dürften sich geringere Zwangsrabatte für die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) deutlich positiv auswirken.

FRANKFURT/M. Vor diesem Hintergrund erwarten Branchenkenner, dass der sechsprozentige Umsatzrückgang des vergangenen Jahres mindestens kompensiert wird. „Wir rechnen für den deutschen Pharmamarkt insgesamt mit einem Umsatzanstieg von sechs bis sieben Prozent“, sagte Thomas Werner, Deutschland-Chef des britischen Pharmakonzerns Glaxo-Smithkline, der zu den führenden Anbietern auf dem hiesigen Markt gehört. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten dürfte das Wachstum noch stärker ausfallen. Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen, die etwa drei Viertel des deutschen Arzneimittelmarktes bestreiten, werden nach Erwartung des Marktforschungsunternehmens IMS Health um etwa ein Zehntel steigen.

Laut IMS ist der deutsche Pharmamarkt im Januar um gut 15 Prozent gewachsen. Im Februar lagen die Zuwächse nach vorläufigen Daten sogar bei 19 Prozent. „Das heißt, wir werden auf jeden Fall ein sehr starkes erstes Quartal haben“, schätzt IMS-Geschäftsführerin Elisabeth Beck.

Allerdings haben die Daten der ersten Monate nur begrenzte Aussagekraft für das Gesamtjahr. Denn Anfang 2004 waren die Umsätze ungewöhnlich niedrig, weil damals viele Patienten auf Grund der neu eingeführten Praxisgebühr Arztbesuche auf Dezember vorgezogen hatten.

Zudem besteht noch Unsicherheit, wie sich diverse gesetzliche Änderungen auswirken. Vor allem Änderungen bei den Zwangsrabatten bringen aus Sicht der Hersteller eine deutliche Entlastung. Im vergangenen Jahr wurden diese gesetzlich vorgeschriebenen Rabatte von sechs auf 16 Prozent erhöht. Zum Jahresbeginn 2005 wurde der Rabattsatz wieder auf sechs Prozent reduziert. Das dürfte der Industrie rund 1,2 Mrd. Euro Mehrumsatz gegenüber 2004 bringen.

Gleichzeitig haben die Krankenkassen neue Höchsterstattungspreise (Festbeträge) auch für patentgeschützte Wirkstoffe festgelegt, von denen sie Einsparungen von etwa 350 Mill. Euro erhoffen. Durch Festbeträge für weitere Medikamente soll dieser Betrag auf 600 Mill. Euro wachsen. Per Saldo dürfte aus der Senkung der Zwangsrabatte und der neuen Festbeträge dennoch ein deutlich positiver Umsatzeffekt resultieren. Hinzu kommt das reguläre Marktwachstum auf Grund höherer Absatzmengen und Preise sowie der verstärkten Verordnung innovativer und damit hochpreisiger Medikamente. Dieser so genannte „Struktur-Effekt“ wird nach Erwartung von Branchenkennern mindestens vier bis fünf Prozent zum Wachstum der Branche beitragen.

Dabei dürften allerdings die Unterschiede innerhalb der Branche größer ausfallen als in den Vorjahren. „Von einer einheitlichen Entwicklung kann man praktisch gar nicht mehr reden“, sagt IMS-Chefin Beck. Insbesondere für die Hersteller rezeptfreier Medikamente, die von den Kassen nicht mehr erstattet werden, ist vorerst keine Rückkehr auf das frühere Umsatzniveau in Sicht. 2004 brachen in diesem Segment die Erlöse um fast die Hälfte ein.

Zum anderen treffen die neuen Festbeträge zunächst nur einige wenige Hersteller, allen voran den US-Konzern Pfizer, der für seinen Cholesterinsenker Sortis erhebliche Einbußen zu fürchten hat. Bei der Altana AG, deren Magenmittel Pantozol ebenfalls von den neuen Festbeträgen betroffen ist, wird der niedrigere Erstattungspreis dagegen durch den Wegfall der Zwangsrabatte kompensiert. Glaxo-Smithkline sieht auf Grund neuer Festbeträge noch keine wesentlichen Einbußen. Der Konzern geht daher davon aus, 2005 auf dem deutschen Markt überdurchschnittlich stark zuzulegen. Ähnliches dürfte für eine Reihe weiterer Anbieter gelten.

Große Unsicherheit herrscht in der Branche dagegen mit Blick auf die mittelfristigen Perspektiven. So wird unter anderem befürchtet, dass die neue Festbetragsregelung in den Folgejahren zu stärkeren Preissenkungen bei patentgeschützten Mitteln zwingen könnte.

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