Umschuldung
Banken geben Cemex Gnadenfrist

Nach der Übernahme des australischen Konkurrenten Klinker, ist der mexikanische Baustoffkonzern Cemex massiv verschuldet: Rund 15 Mrd. Dollar müssen bis 2011 beglichen werden. Doch mit der Krise ist der Absatz auf den wichtigsten Märkten rapide eingebrochen. Nun gewähren die Gläubiger den Mexikanern eine letzte Frist.

MEXIKO-STADT/DÜSSELDORF. Der mexikanische Baustoffkonzern Cemex steht offenbar kurz vor der erlösenden Refinanzierung von 15 Mrd. Dollar Schulden, die bis 2011 fällig werden. Alle Gläubiger unterstützten den Zementhersteller bei der Umschuldung bis ins Jahr 2014, teilte der Konzern am späten Montagabend mit. Cemex hohe Schulden resultieren aus dem Kauf des australischen Konkurrenten Rinker. Für das Geschäft hatte Cemex vor zwei Jahren 14,2 Mrd. Dollar bezahlt. Durch die Übernahme wollten sich die Mexikaner einen Zugang zum US-Markt sichern.

Doch dann kam die Krise, die den Absatz auf den wichtigsten Märkten rapide einbrechen ließ. Aus der Immobilienkrise wurde eine Krise für den Bau- und Baustoffmarkt. Anfang dieses Jahres spekulierten Medien noch über eine mögliche Insolvenz von Cemex. „Mit der Umschuldung käme Cemex aus dem Gröbsten raus“, sagt Carlos Hermosillo, Analyst vom Börsenhaus Vector in Mexiko-Stadt. „Es ist der wichtige Schritt, den das Unternehmen brauchte, denn das Risiko eines Default war gegeben.“

Im ersten Halbjahr 2009 sackte der Cemex-Umsatz auf 7,8 Mrd. Dollar ab, teilte das Unternehmen mit. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verschlechterte sich um 34 Prozent auf nur noch 1,5 Mrd. Dollar. Zugleich stiegen die Nettofinanzschulden um vier Prozent auf 18,3 Mrd. Dollar.

Das Cemex-Management hat bereits vor Monaten einen harten Sparkurs eingeschlagen. Seitdem wird nur noch das Nötigste investiert, alle Expansionspläne sind ad acta gelegt. Stattdessen sollten Aktiva für insgesamt zwei Mrd. Dollar verkauft werden. Geholfen hat es bisher wenig, Cemex steht mit dem Rücken zur Wand: Durch die rückläufigen Erträge erhöhte sich das Verhältnis von Ebitda und Nettoschulden auf zwölf. Medienberichten zufolge verhandeln die Banken BBVA, Citi, RBS, Banco Santander und HSBC federführend für 50 weitere Banken mit dem Konzern über die Umschuldung.

Schon im Januar hatte sich Cemex mit den Banken über eine Verlängerung von Krediten in Höhe von vier Mrd. Dollar geeinigt, musste aber später eine geplante Anleiheemission über 500 Mio. Dollar absagen. Die Zinsforderungen der Banken und Investoren hätten sich auf 15 Prozent belaufen, besagten Gerüchte im Markt.

Das Unternehmen aus dem nordmexikanischen Monterrey ist in gewisser Weise Opfer seiner eigenen Expansionspolitik geworden. Der Kauf Rinkers war bereits die 16. Übernahme. CEO Lorenzo Zambrano hatte sie zu seiner Herzensangelegenheit erklärt, mit der sich Cemex endgültig vom Familienunternehmen zu einem Global Player mausern sollte.

Cemex wurde durch den Zukauf ein lateinamerikanisches Unternehmen der Superlative: Drittgrößter Zementhersteller und Branchenführer im Baustoffsektor für Beton, Kies und Asphalt mit 67 000 Angestellten und Präsenz in 50 Staaten auf allen fünf Kontinenten. In Deutschland ist Cemex über die Readymix AG vertreten.

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