Umschuldung zugestimmt
Schefenacker trickst Insolvenzrecht aus

Der Autozulieferer Schefenacker – Weltmarktführer bei Rückspiegeln – hat den entscheidenden Schritt im monatelangen Überlebenskampf gemacht. Die Anleihegläubiger stimmten dem Umschuldungsplan des Vorstands zu. Die Rettung ist aber nur gelungen, weil das Unternehmen das deutsche Insolvenzrecht umgangen hat. Ein Beispiel, das Schule machen könnte.

STUTTGART. Bis zuletzt stand das Schicksal des Weltmarktführers bei Rückspiegeln auf Messers Schneide. Die Hürde einer Dreiviertelmehrheit hat das Unternehmen auf der Gläubigerversammlung am Mittwoch in London mit 75,9 Prozent nur denkbar knapp genommen. Die bei einer Insolvenz drohende Zerschlagung sei abgewendet, sagte ein Sprecher. „Einige Gläubiger haben wohl bis zur letzten Minute vergeblich auf eine erneute Nachbesserung gehofft“, betonte ein Investmentbanker.

Die Gläubiger der nachrangigen Anleihe über 200 Mill. Euro werden jetzt mit einer Barzahlung von 7,5 Mill. Euro abgefunden und erhalten für den Schuldenerlass fünf Prozent der Anteile am Unternehmen sowie eine Option auf weitere zehn Prozent, wenn Schefenacker in Zukunft prosperieren sollte.

Auch der bisherige Alleineigentümer Alfred Schefenacker junior muss kräftig bluten. Ihm bleiben 25 Prozent der Unternehmensteile. Und das auch nur, weil er auf ein Gesellschafterdarlehen von über 100 Mill. Euro verzichtet und zudem 20 Mill. Euro frisches Kapital zur Verfügung stellt.

Nach der weit kleineren Deutschen Nickel ist Schefenacker das zweite deutsche Unternehmen, das mit Gründung einer Gesellschaft nach britischem Recht das deutsche Insolvenzrecht umgeht. „Das Beispiel könnte Schule machen. Wir haben bewiesen, dass es funktioniert“, sagt Investmentbanker Sebastian Freitag, der die Schwaben bei dem Deal beriet. Bei der britischen Insolvenz wird der Tausch von Schulden gegen Unternehmensanteile und damit ein Neustart erleichtert. So mussten nur 75 statt 100 Prozent der Gläubiger zustimmen.

Billig ist der Sonderweg nicht: Über 40 Mill. Euro bezahlte Schefenacker für Honorare an Anwälte und Investmentbanker. Die Bundesregierung könnte sich durch Schefenacker veranlasst sehen, erneut das Insolvenzrecht zu ändern.

Seite 1:

Schefenacker trickst Insolvenzrecht aus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%