Umstrittene Hilfe
Kampagne für Euro-Rettungspakete spaltet die Wirtschaft

Überraschend will die Elite der deutschen Konzernlenker mit Anzeigen für die milliardenteuren Rettungspakete für Griechenland werben. Viele Mittelständler reagieren darauf mit Unverständnis. Sie fordern eine Umschuldung.
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DüsseldorfDie Milliardenhilfen für Schuldenstaaten wie Griechenland spalten die deutsche Wirtschaft. Während Großkonzerne eine Anzeigenkampagne planen, die aus Sorge um die Stabilität des Euros ein flammendes Plädoyer für kurzfristige Hilfen an die angeschlagenen Staaten hält, fordert der Mittelstand ein Ende der staatlichen Rettungspolitik um jeden Preis. „Der bisherige Weg der Euro-Rettung durch die Rettungsschirme war falsch. Man hat schlechtem Geld gutes hinterhergeworfen“, sagt Lutz Goebel, Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer“ Handelsblatt Online. Inzwischen habe die Europäische Zentralbank für 74 Milliarden Euro Staatsanleihen aufgekauft und Griechenland sei der Sanierung trotzdem keinen Schritt nähergekommen. „Fast jeder nach Griechenland überwiesene Euro wird an ausländische Investoren durchgereicht, landet nicht bei den Griechen und hilft ihnen somit auch nicht“, kritisiert Goebel.

Aufgeschreckt sind die Mittelständler durch eine geplante Kampagne der Großkonzerne: Knapp 50 Konzernführer aus Deutschland und Frankreich wollen nach Handelsblatt-Informationen am kommenden Dienstag in Anzeigen in mehreren deutschen und französischen Tageszeitungen die Erfolge der Gemeinschaftswährung als "Jobmotor und Wohlstandsgarant" beschwören. Zu den Unterzeichnern zählen Siemens-Chef Peter Löscher, Telekom-Vorstandsvorsitzender René Obermann sowie die Autobosse Dieter Zetsche (Daimler), Norbert Reithofer (BMW) und Bosch-Chef Franz Fehrenbach. "Wir richten uns mit einem klaren Appell an die Politik, alles dazu beizutragen, die Voraussetzungen für einen dauerhaft stabilen und wettbewerbsfähigen Euro zu schaffen. Das ist die Basis für zukünftigen Wohlstand in Europa", heißt es in einem Entwurf der Anzeige.

Koordinatoren auf deutscher Seite sind Kreisen zufolge ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, Michael Diekmann (Allianz) und Tilman Todenhöfer (Bosch). Die an der Erklärung beteiligten Unternehmer trügen Verantwortung für über fünf Millionen Beschäftigte und insgesamt 1,5 Billionen Euro Umsatz.

Die Schuldenkrise "gefährdet nun das Erreichte", deshalb müsse den betroffenen Ländern kurzfristig geholfen werden, so die Konzernlenker. "Die Rückkehr zu stabilen finanziellen Verhältnissen wird viele Milliarden kosten, aber die Europäische Union und unsere gemeinsame Währung sind diesen Einsatz allemal wert."

Genau dies bezweifeln viele mittelständische Unternehmer. „Der Euro wird durch die unverantwortliche Schuldenpolitik gefährdet. Sie muss gestoppt werden und die Profiteure dieser Schuldenmacherei, die privaten Gläubiger, müssen endlich an diesem Desaster beteiligt werden und Verantwortung übernehmen“, klagt Marie-Christine Ostermann, Chefin des Lebensmittelgroßhandels Rullko aus Hamm und Bundesvorsitzende des Verbands „Die Jungen Unternehmer“ gegenüber Handelsblatt Online.

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"Der Weg in die Transferunion muss gestoppt werden"

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  • Mit der Kampagne der Großindustrie wird uns endlich klargemacht werden, wie vernünftig die Rettung der südlichen Problemländer ist. Nach dem Lesen dieser Großanzeigen werden bei uns Steuerzahlern sicherlich alle Bedenken restlos verschwunden sein, und wir werden ab dann unsere Steuergelder mit Vergnügen gen Süden transferieren. Denn spätestens dann wird uns klar werden, wie kleinlich unsere Vorbehalte gegen die Rettung der Südländer sind. Außerdem: wenn die Großindustrie das befürwortet, m u s s es doch gut für uns alle sein, gell?
    Ich hoffe stark, dass die Bundesregierung sich an der Finanzierung dieser Kampagne angemessen beteiligt, um die Großindustrie nicht allzu sehr zu belasten. Eine zusätzliche Anzeigenoffensive der Großbanken wäre da für unsere Willensbildung ebenfalls sehr hilfreich.

  • Die Kaufkrat des Euro in PIGS ist einfach zu hoch.
    Es ist wie nach der Wiedervereinigung als 1:1 auf D-Mark umgestellt wurde. Waehrend man sich im Westen ueber einen Boom durch den zusaetzlichen Konsum freute, gingen im Osten die Betriebe Pleite.
    Wenn den Konzernen ernsthaft etwas an Griechenland liegt, dann sollten sie dort Produktionsstaetten betreiben, um das BSP zu heben und die Einnahmen fuer den griechischen Staat zu verbessern.

  • Die Kaufkrat des Euro in PIGS ist einfach zu hoch.
    Es ist wie nach der Wiedervereinigung als 1:1 auf D-Mark umgestellt wurde. Waehrend man sich im Westen ueber einen Boom durch den zusaetzlichen Konsum freute, gingen im Osten die Betriebe Pleite.
    Wenn den Konzernen ernsthaft etwas an Griechenland liegt, dann sollten sie dort Produktionsstaetten betreiben, um das BSP zu heben und die Einnahmen fuer den griechischen Staat zu verbessern.

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