Umstrittene Transaktion
RAG-Aufsichtsrat billigt Arcelor-Verkauf nachträglich

Der Aufsichtsrat des an die Börse strebenden Mischkonzerns RAG hat dem umstrittenen Verkauf einer Konzerntochter doch noch zugestimmt. Zudem konnte das Unternehmen einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Börsengang zurücklegen.

HB DÜSSELDORF. Das Gremium habe in einer außerordentlichen Sitzung am Dienstag die Vereinbarung, die dem Stahlriesen Arcelor den Zugriff auf den Versorger Saar Ferngas sichert, gebilligt, hieß es in einer Erklärung des Aufsichtsrats. Zudem würden die Arcelor-Anteile an der RAG für einen Euro an die RAG übertragen. Damit konnte ein weiteres Hindernis auf dem Weg der RAG aufs Börsenparkett aus dem Weg geräumt werden.

Zugleich hielt der Aufsichtsrat aber auch ausdrücklich fest, dass ein vom Gremiumsvorsitzenden Wulf Bernotat in Auftrag gegebenes Gutachten zu dem Schluss komme, dass der Aufsichtsrat der Transaktion vor der Sitzung am Dienstag noch nicht zugestimmt habe. Die RAG hatte dies anders gesehen. Das Gremium wies auch darauf hin, dass bei künftigen Zweifelsfragen eine „vorherige Klärung“ zwischen Vorstand und Aufsichtsratspräsidium erfolgen werde. Ein RWE-Sprecher sagte, damit werde bestätigt, dass die Bedenken des Konzerns berechtigt gewesen seien.

Die Sitzung war nötig geworden, nachdem Vertreter des RWE-Konzerns im Aufsichtsrat Müller vorgeworfen hatten, den Versorger Saar Ferngas ohne Zustimmung des Gremiums dem Stahlriesen Arcelor Mittal zuschanzen zu wollen. Zudem habe Müller Arcelor auch Optionen auf den Bezug von Koks und Strom eingeräumt. Dies sei als Pflichtverstoß zu werten, hieß es in Schreiben an den Aufsichtsratsvorsitzenden und E.ON-Vorstandschef Bernotat. RWE hatte sich Saar Ferngas selbst einverleiben wollen, war aber am Widerstand des Bundeskartellamts gescheitert. Müller hatte die RWE-Vorwürfe zurückgewiesen und sich erstaunt darüber gezeigt, wie „leichtfertig der Vorwurf einer Pflichtverletzung erhoben wird“. In dem Streit waren auch mehrere Rechtsgutachten in Auftrag gegeben worden, über die der Aufsichtsrat in seiner außerordentlichen Sitzung beriet.

Mit dem Ergebnis der Sitzung soll nun ein Schlussstrich unter den Streit gezogen werden. Dies ist auch für den Börsengang der RAG wichtig, da die vier RAG-Eigner RWE, Arcelor, ThyssenKrupp und E.ON ihre RAG-Anteile noch übertragen müssen. Diese sind für die Konzerne wertlos, da die Risiken aus dem unter dem Dach der RAG gebündelten Kohlebergbau auf ihnen ruhen. Im kommenden Frühjahr will Müller die profitablen Sparten der RAG dann an die Börse bringen und mit den Einnahmen die Risiken aus dem Bergbau abdecken.

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