Umstrittenes Bauprojekt
RWE forciert AKW-Bau

Der RWE-Aufsichtsrat lässt Vorstandschef Jürgen Großmann beim umstrittenen Bauprojekt für ein bulgarisches Kraftwerk vorerst gewähren. Erst wenn alle offenen Fragen geklärt sind, wird RWE endgültig über das von Umweltschützern als riskant eingestufte Projekt entscheiden.

DÜSSELDORF. RWE-Chef Jürgen Großmann kann trotz Bedenken im Aufsichtsrat die Beteiligung am umstrittenen Bauprojekt für ein Kernkraftwerk in Bulgarien voran treiben. Das Kontrollgremium akzeptierte nach Informationen des Handelsblatts aus Konzernkreisen gestern auf einer Sondersitzung den Einstieg des Energiekonzerns in die Projektentwicklungsgesellschaft. Mit einem formalen Investitionsbeschluss für das von Umweltschützern als riskant eingestufte Projekt zögern die Kontrolleure aber noch. Großmann musste ihnen zusagen, penibel auf die Sicherheitsstandards zu achten.

Die bulgarische Regierung hatte Anfang Oktober nach einem langen Bieterverfahren RWE als bevorzugten Partner für eine 49 Prozent-Beteiligung am Bau eines neuen Kernkraftwerkes in Belene, im Norden des Landes, ausgewählt. Die Anlage soll über eine Leistung von 2 000 Megawatt verfügen und spätestens bis 2014 ans Netz gehen. Die Kosten werden auf vier Mrd. Euro veranschlagt.

Als nächster Schritt soll nun ein gemeinsames Unternehmen gegründet werden, das die Bedingungen und Auflagen für das Bauprojekt festzurrt. Erst wenn alle offenen Fragen, insbesondere zur Sicherheit, geklärt seien, werde RWE endgültig über die Investition entscheiden, hieß es in den Konzernkreisen. Der Beschluss könnte sich noch bis Ende 2009, Anfang 2010 verzögern. Auf dieser Sitzung habe er nicht auf der Tagesordnung gestanden, sagte ein Sprecher.

Das Projekt hat eine große Symbolkraft. Erstmals seit Jahrzehnten würde sich ein deutscher Versorger wieder am Bau eines Kernkraftwerkes beteiligen. Für den RWE-Konzern, der auf dem Heimatmarkt an den Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenenergie gebunden ist, wäre es gleichzeitig die erste Beteiligung an einem Kernkraftwerk im Ausland.

Belene ist aber auch äußerst umstritten. Umweltschützer bemängeln, dass der Standort in einem Erdbeben gefährdeten Gebiet liegt. Zudem bezweifeln sie, dass in Bulgarien die westlichen Sicherheitsstandards eingehalten werden. Großmann hat den Aufsichtsrat zwar schon mehrfach über den Fortgang unterrichtet, stößt aber nach wie vor auf Bedenken. Zum einen lehnen auf der Arbeitnehmerseite vor allem Vertreter der Gewerkschaft Verdi das Projekt ab. Zum anderen müssen die kommunalen Aktionäre mit Kritik im anstehenden Wahlkampf für die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen rechnen.

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