Umstrittenes Thrombosemittel
Bayer will Umsatz in Japan steigern

Das Thrombosemittel Xarelto ist derzeit das wichtigste Präparat von Bayer auf dem japanischen Markt – und in Deutschland in der Diskussion. Der Pharmariese will dennoch das Einsatzgebiet in Japan erweitern.
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Frankfurt am MainBayer setzt auf mehr Geschäft mit seinem lukrativen Thrombosemittel Xarelto in Japan. Deutschlands größter Arzneimittelhersteller beantragte bei der japanischen Zulassungsbehörde, die Tablette auch zur Behandlung von Venenthrombosen und Lungenembolien sowie zum Schutz vor erneuten Thromboembolien zu genehmigen. Der Zulassungsantrag basiere auf drei globalen klinischen Studien, teilte Bayer am Mittwoch mit. Xarelto ist in Japan bereits zum Schutz vor Schlaganfällen bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen zugelassen. Dies ist weltweit das größte Einsatzgebiet für das Medikament.

Xarelto ist für Bayer momentan die wichtigste neue Arznei. Konzernchef Marijn Dekkers traut dem Mittel - alle Anwendungsgebiete zusammengenommen - einen Jahresumsatz von rund 3,5 Milliarden Euro zu. 2013 brachte Xarelto Bayer weltweit 949 Millionen Euro Umsatz ein - das ist fast eine Verdreifachung binnen eines Jahres.

Xarelto und andere neue Gerinnungshemmer wie Pradaxa von Boehringer Ingelheim und Eliquis von Bristol-Myers Squib und Pfizer sind umstritten. Denn sie sind wie auch das ältere Präparat Warfarin mit einem Blutungsrisiko verknüpft. Im Unterschied zu Warfarin gibt es aber für die neuen Medikamente noch kein Gegenmittel, mit dem Blutungen rasch gestillt werden können. Die Debatte um diese Präparate war zuletzt nach Fällen tödlicher Blutungen lauter geworden.

Der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske kritisierte am Dienstag bei der Vorstellung des Arzneimittelreports der Barmer GEK den steilen Anstieg der Ausgaben für Xarelto in Deutschland trotz der bekannten Blutungsrisiken. Die Ausgaben für Xarelto hatten 2013 binnen eines Jahres um 205 Prozent auf 282 Millionen Euro zugenommen.

Auf die neuen Präparate wie Xarelto und Pradaxa entfallen den Daten zufolge inzwischen bereits 86,8 Prozent aller Ausgaben für Gerinnungshemmer. Für die Barmer GEK ist der steile Zuwachs bei den Verschreibungen der neuen Gerinnungshemmer problematisch, da nach ihrer Ansicht die Sicherheit nicht hinreichend belegt ist. Außerdem kommen neue Medikamente die Kassen teurer.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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