Umstrukturierung
EADS auf dem Weg zur Europa AG

Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS soll zur europäischen Aktiengesellschaft umgebaut werden. Die Zahl der Konzerntöchter soll auf drei reduziert werden. Experten freuen sich über die neue ökonomische Ausrichtung. Eine transparentere Organisation des Konzerns sei lange überfällig gewesen.

MÜNCHEN. Fast eine Dekade nach Gründung will EADS ein normales Unternehmen werden. "Es wird die Umwandlung in eine europäische Aktiengesellschaft geprüft", hieß es am Wochenende aus Konzernkreisen. Zudem könnte die Airbus-Muttergesellschaft EADS ihre Struktur von fünf auf drei Konzerntöchter reduzieren. Der neue Konzern würde dann streng entlang der drei Geschäftsfelder Airbus, Verteidigung und Eurocopter neu aufgestellt.

EADS-Chef Louis Gallois hat bereits mehrfach angedeutet, die bisherige Rechtsstruktur ändern zu wollen. Bislang ist EADS nach niederländischem Recht organisiert. Denn als EADS im Jahr 2000 gegründet wurde, gab es die Möglichkeit einer Europäischen Aktiengesellschaft noch nicht. Die Gründungsaktionäre Daimler-Chrysler, Lagardère und der französische Staat hatten das Gemeinschaftsunternehmen deshalb in Amsterdam angesiedelt, um so die sensible Balance zwischen Deutschland, Frankreich und Spanien zu wahren. Faktisch wurde der Luft- und Raumfahrtkonzern aus München und vor allem Paris geführt, die mit Abstand wichtigste Konzerntochter Airbus blieb in Toulouse. Lediglich zur Hauptversammlung treffen sich die Beteiligten in Amsterdam.

Wie wichtig eine transparentere Struktur ist, zeigte sich am Freitag. Als Airbus ankündigte, seine immer noch bestehenden Ländergesellschaften mit zwei Milliarden Euro zu rekapitalisieren, rauschte der Kurs der EADS-Muttergesellschaft um 7,5 Prozent ab. Händler befürchteten erneut Schwierigkeiten in laufenden Airbus-Programmen wie der A380 oder dem Militärtransporter A 400M, die beide immer wieder mit Verzögerungen kämpfen.

Faktisch habe die Airbus-Muttergesellschaft lediglich die Gewinne aus Flugzeugverkäufen an ihre Töchter weitergegeben, die den Großteil der Kosten der Produktion tragen, erklärte ein Airbus-Sprecher in Toulouse. "Das hat zu Ungleichgewichten geführt, die müssen ausgeglichen werden". Airbus S.A.S, 1974 nach dem Vorbild französischer Winzergenossenschaften gegründet, ist in erster Linie für die Vermarktung zuständig. Die Ländergesellschaften sind jedoch traditionell eigenständig, die wirtschaftliche Lage ist kaum einzusehen. So wird Airbus Deutschland mit über 21 000 Airbus-Beschäftigten immer noch als GmbH geführt.

"Es wäre sinnvoll, EADS stärker an ökonomischen statt an politischen Erfordernissen auszurichten", fordert Sebastian Hein vom Bankhaus Lampe. Denn die Transaktionen zwischen der Mutter EADS, Airbus und den Ländergesellschaften sind für den Kapitalmarkt wenig transparent.

Seite 1:

EADS auf dem Weg zur Europa AG

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%