Umstrukturierung
EADS schleift Erbhöfe

EADS-Chef Louis Gallois wird künftig nur noch drei statt bisher fünf Konzerntöchter führen. Um sein Management zu vereinfachen, verteilt der europäische Luftfahrtkonzern seine Verantwortlichkeiten neu. Der deutsche Airbus-Chef Enders wird künftig auch für Militärtransporter zuständig sein.

MÜNCHEN. Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ordnet seine Tochtergesellschaften neu. Wichtigste Änderung ist die Eingliederung der bisher eigenständigen Sparte Militärtransporter in die Flugzeugtochter Airbus. „Dies vereinfacht das Management des A 400M-Programms und optimiert den Einsatz von Ressourcen“, begründete der Konzern den Schritt. Zudem wird die in München angesiedelte Verteidigungssparte der Raumfahrttochter EADS Space unterstellt. EADS-Chef Louis Gallois wird damit künftig nur noch drei statt bisher fünf Konzerntöchter führen. Alle drei Töchter haben ihren Hauptsitz in Frankreich. Zwei der drei Töchter haben aber mit Lutz Bertling (Eurocopter) und Tom Enders (Airbus) einen deutschen Chef.

Vor allem Enders bekommt deutlich mehr Verantwortung. „Die künstliche Trennung zwischen Airbus und Airbus Military ist endlich aufgehoben“, heißt es bei dem Unternehmen. Enders erhält direkten Zugriff auf den A 400M. Der Militärtransporter wurde bislang unter der Federführung der spanischen EADS-Tochter in Sevilla entwickelt.

Enders soll das Programm, das in den vergangenen zwei Jahren komplett aus dem Ruder gelaufen ist, endlich in den Griff bekommen. Zudem soll der deutsche Manager auch über mögliche Vertragsänderungen mit den europäischen Regierungen verhandeln. Diese warten seit über einem Jahr auf die Auslieferung und pochen auf Festpreise bei dem Milliardenprojekt. Insgesamt liegen 192 verbindliche Bestellungen für die Maschine vor.

Vor allem bei der Bundesregierung wuchs zuletzt die Verärgerung über das Projekt. Deutschland hat 60 Maschinen für rund 8,3 Mrd. Euro bestellt. Die ersten Flugzeuge sollten eigentlich schon 2009 an die Truppe ausgeliefert werden und die alten Transportmaschinen vom Typ Transall ablösen. Doch nach dem jüngsten Zeitplan wird die Luftwaffe die erste Maschine nicht vor 2011 erhalten – wenn alles glatt läuft.

Denn die Probleme sind immer noch gewaltig. Nach monatelanger Verzögerung sollte in dieser Woche der erste Flugtest mit den eigens für die A 400M entwickelten Turboprop-Triebwerke beginnen. Die Flüge mit dem umgebauten C-130 Transporter von Lockheed Martin sind die Voraussetzung für einen Erstflug der A400M, der nicht vor dem zweiten Halbjahr 2009 stattfinden wird. Die Konfiguration der Triebwerke hat bereits im vergangenen Jahr zu einem heftigen Schlagabtausch zwischen Airbus und den Triebwerksherstellern geführt, zu denen auch die Münchener MTU Aero Engines gehört. Neben dem Antrieb mache noch ein halbes Dutzend weiterer Systeme Schwierigkeiten, heißt es in Industriekreisen. Folge: Sowohl EADS, als auch die Zulieferer haben den Anlauf der Serienproduktion auf Eis gelegt. Die Verzögerungen belasten die EADS bislang mit fast 1,8 Mrd. Euro, der Konzern warnte zuletzt vor weiteren Kostensteigerungen.

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