Umtauschangebot
Escadas Schicksal entscheiden die Gläubiger

Die Luft für die verlustreiche Damenmodemarke Escada wird dünner. Nun hat Escada eine neue Offerte vorgelegt: Um die Schuldenlast zu reduzieren, sollen die Besitzer einer Anleihe auf Rückzahlungen verzichten. Mit dem Angebot hat sich Escada für ein in Deutschland selten genutztes Instrument entschieden - die Umschuldung von Bonds.

MÜNCHEN. In langen Reihen hängen die Modelle der Frühjahrs- und Sommerkollektion 2010 an den Ständern in der Konzernzentrale von Escada. Die farbenfrohen Hosen, Röcke und Blusen würden bei den Händlern gut ankommen, meint Vorstandschef Bruno Sälzer. Ob sie allerdings jemals die Läden erreichen, das entscheidet sich erst Anfang August.

Nur wenn die Gläubiger der verlustreichen Münchener Damenmodemarke in den nächsten vier Wochen erhebliche Opfer bringen, wird das börsennotierte Unternehmen überleben. "Ohne ihren Beitrag droht Escada kurzfristig die Insolvenz", warnt Sälzer, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Hugo Boss.

So sollen die Besitzer einer Anleihe von 200 Mio. Euro auf mehr als die Hälfte der Rückzahlung verzichten, um die Schuldenlast des Konzerns zu verringern. Nur wenn 80 Prozent der Anleger das Angebot bis 31. Juli annehmen, sei das Überleben des Konzerns gesichert. Andernfalls müsse Escada noch im August Insolvenzantrag stellen.

Escada hat sich mit der Offerte für ein in Deutschland selten genutztes Instrument entschieden. Beim Medienunternehmen EM.TV und der Beteiligungsgesellschaft Augusta ist die Umschuldung von Bonds gelungen, beim Fußbodenhersteller Rinol ist der Versuch hingegen gescheitert. Nach Ansicht von Analysten sind die drei Fälle aber kaum mit Escada zu vergleichen, weil jedes Unternehmen einen eigenen Weg gegangen sei. Deshalb sei auch schwer zu sagen, ob Escada mit seinem Vorstoß Erfolg haben werde.

Wer seine Escada-Anleihe im Nominalwert von 1 000 Euro jetzt eintauscht, der hat hinterher nur noch 400 Euro. Doch das ist nur auf dem Papier ein Verlust. Denn an der Börse wird der Escada-Bond lediglich mit knapp 30 Prozent seines Werts gehandelt, also mit rund 300 Euro. Restrukturierungsvorstand Michael Börnicke: "Niemand geht davon aus, dass die alte Anleihe zurückgezahlt wird." Dazu kommt: Wird die Umtauschquote von 80 Prozent nicht erreicht, droht die Insolvenz. Dann werden die Papiere wertlos, und die Eigentümer müssen auf möglichst hohe Erlöse aus der Verwertung des Firmenvermögens hoffen.

Gehen Gläubiger hingegen in genügend großer Zahl auf die Offerte ein, so bekommen sie drei Pakete. Teil eins besteht aus einer Anleihe im Wert von 250 Euro, die bei halbjährlicher Zahlung mit zehn Prozent verzinst wird und 2014 fällig ist. Teil zwei ist eine Anleihe mit einem Satz von 17,5 Prozent, die 2016 fällig wird. Zu diesem Zeitpunkt werden die Zinsen der Papiere im Nominalwert von 125 Euro gesammelt ausgezahlt. Dazu kommt ein Bonus von 25 Euro für Investoren, die sich bis 14. Juli entscheiden.

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