Umwälzungen durch Elektromobilität Daimler-Betriebsrat fordert feste Zusagen

Weil Elektroantriebe immer wichtiger werden, will Daimler-Chef Dieter Zetsche bei Verbrennungsmotoren „jede Möglichkeit zur Reduktion“ nutzen. Der Betriebsrat ist alarmiert – und fordert Zusagen an die Mitarbeiter.
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Der Betriebsrat von Daimler möchte den Konzern dazu bewegen, im Zuge der Umstellung auf Elektromobilität nicht an den Arbeitsplätzen zu rütteln. Quelle: dpa
Daimler-Betriebsratschef Michael Brecht

Der Betriebsrat von Daimler möchte den Konzern dazu bewegen, im Zuge der Umstellung auf Elektromobilität nicht an den Arbeitsplätzen zu rütteln.

(Foto: dpa)

StuttgartDaimler-Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht hat im Zuge der Umstellung auf Elektromobilität feste Zusagen für die Fertigung von Motoren gefordert. „Nur in einem solchen verlässlichen Rahmen werden die Kolleginnen und Kollegen die tiefgreifenden Veränderungen, die vor uns liegen, engagiert mitgehen“, sagte Brecht am Sonntag. „Das verlangt seitens des Unternehmens Zusagen für Investitionen, Entwicklungs- und Fertigungsumfänge.“

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte mit Aussagen am Freitag vor Finanzanalysten die Arbeitnehmervertreter aufgeschreckt: „Wir werden jede Möglichkeit zur Reduktion so früh wie möglich nutzen“, sagte er mit Blick auf die Fertigung von Verbrennungsmotoren. „Das heißt, wir haben die Verantwortung, die Zukunft der Leute an Bord zu sichern, aber wir sehen keine Verantwortung, die Arbeitsplätze an Bord zu sichern.“

Porsche zahlt seinen Beschäftigten Bonus von 9.111 Euro
Porsche
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2016 konnte Porsche das beste Jahr der Firmengeschichte vermelden, die Profitabilität stieg um etwa zehn Prozent. Gemessen daran fiel die Bonus-Anhebung bei der VW-Tochter sogar relativ gering aus. Dies liegt auch an dem Sparkurs, den die Wolfsburger Konzernlenker wegen des Dieselskandals einschlagen mussten.

Porsche-Chef Oliver Blume
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Die Mitarbeiter dürfen sich nach dem guten Geschäftsjahr über einen hohen Bonus freuen. Jeder Beschäftigte in Deutschland bekomme 9111 Euro als Sonderzahlung. Vor einem Jahr lag die Extrazahlung noch bei 8911 Euro. Die Zahl ist eine Anspielung auf das Sportwagen-Modell 911. Den Bonus erhalten 21.000 Beschäftigte an den deutschen Porsche-Standorten, ob Ingenieur, Mitarbeiter am Produktionsband, Wachmann, Kantinenpersonal oder Putzfrau.

Daimler
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Die Zeiten stürmischen Wachstums sind für Daimler vorerst wieder vorbei. Trotz eines Umsatzplus von 3 Prozent auf 153,3 Milliarden Euro belastete ein Gewinneinbruch im letzten Quartal 2016 im Nutzfahrzeuggeschäft die Bilanz. Auch wenn sie etwas kleiner ausfällt – die Beschäftigte von Daimler erhalten für 2016 eine satte Prämie.

Daimler-Chef Dieter Zetsche
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Jeweils 5400 Euro zahlt Daimler 130.000 in Deutschland nach Tarifvertrag Beschäftigten im April 2017 extra. Im Vorjahr betrug die Prämie noch 5650 Euro.

BMW
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Nach zwölf Jahren an der Spitze muss BMW den Titel des größten Oberklasse-Autobauers der Welt an Mercedes abgeben. Rund 2,0 Millionen Wagen mit weiß-blauem Emblem lieferten die Bayern an Kunden weltweit aus (plus 5,2 Prozent). Die Beschäftigten erhalten für 2016 trotzdem eine höhere Erfolgsbeteiligung als Daimler. Ein Facharbeiter am Band des bayerischen Autobauers bekommt im Schnitt mehr als zwei Monatsgehälter.

BMW-Chef Harald Krüger
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8095,50 Euro je Mitarbeiter werden im Mai ausbezahlt, weitere 900 Euro in die Altersvorsorge gesteckt, wie ein BMW-Sprecher erläuterte. Im Vorjahr erhielten die Tarifmitarbeiter 8375 Euro, allerdings ohne Beitrag zur Altersvorsorge.

Volkswagen
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Die 120.000 VW-Mitarbeiter im Haustarif sollen trotz der immensen Kosten für den Dieselskandal für das Jahr 2016 eine Erfolgsbeteiligung von voraussichtlich rund 2900 Euro bekommen. Wie üblich wurde bereits ein Abschlag Ende November an die Mitarbeiter gezahlt, mit dem Mai-Entgelt soll nun der Rest folgen.

Der Betriebsratschef von Daimlers Motorenwerk im Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim, Wolfgang Nieke, hatte das angesichts der hohen Auslastung im Werk kritisiert: „Vor diesem Hintergrund sehe ich nicht, wie der Vorstand so früh wie möglich die Beschäftigung reduzieren will“, sagte Nieke den „Stuttgarter Nachrichten“. Dort dringt der Betriebsrat seit Monaten auf Zusagen für die Fertigung für das Werk und will etwa die Batterieproduktion nach Stuttgart holen, die bislang ausschließlich im sächsischen Kamenz gefertigt werden.

Nieke warnte davor, Arbeitsplätze in Untertürkheim anzutasten: „Nach den heutigen Planungen des Unternehmens werden wir auch 2025 noch die Kapazitäten für Motoren und Getriebe auslasten“, sagte er. Sollte das nicht der Fall sein, sei zu allererst der Aufbau eines neuen Motorenwerkes im polnischen Jawor zu überprüfen.

Zetsche argumentierte, im Elektromotor stecke weniger Differenzierungsmöglichkeit. Das sollte die Richtlinie für Daimler sein, was der Autobauer selbst fertige und was nicht. Der Autobauer habe schon in der Vergangenheit seine Fertigungstiefe, also den Anteil der selbst gebauten Teile, gesenkt. „Die gute Nachricht ist, dass wir Zeit haben.“ Deshalb beginne man mit den Anpassungen jetzt.

Daimler rechnet damit, dass auch noch in den nächsten zehn Jahren der weitaus größte Teil seiner Autos einen Verbrennungsmotor haben wird. Erst 2025 soll der Elektroanteil bei 15 bis 25 Prozent der verkauften Autos liegen. Im vergangenen Jahr verkaufte Daimler gut 2,2 Millionen Autos - wie viele davon mit einen elektrischen Antrieb hatten, schlüsselt der Hersteller nicht auf.

Für die Autoproduktion haben die Arbeitnehmervertreter an den Standorten Bremen und Sindelfingen bereits Zusagen ausgehandelt. Dort sollen Daimlers neue Elektroautos der Marke EQ parallel zu den Verbrennungsmotoren gebaut werden. Der Betriebsrat hat dafür Zugeständnisse bei der Flexibilität gemacht. Ähnliches schwebt den Arbeitnehmervertretern auch für andere Standorte zu.

Gesamtbetriebsratschef Brecht sagte am Sonntag: „Wir erwarten, dass alle unsere bestehenden Standorte an der Elektrostrategie des Unternehmens teilhaben.“ Das gelte gilt insbesondere für die Antriebswerke. „Wir wollen, dass die Fertigung der elektrifizierten Antriebe weitgehend in unsere Standorte integriert wird.“

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