Umwelt-Projekt
Dicke Luft im Garten Eden

Tasmanien ist Australiens Mythos. Ein Konzern will dort die größte Papiermühle der Welt bauen. Der Gegner: eine kuriose Allianz aus Investmentbankern, Wilden und Aktivisten, die die Krise als Waffe nutzen.

HOBART. Die Nachmittagssonne taucht das Tal in ein sanft glänzendes Licht. Die Luft ist so sauber, dass die Strahlen der Sonne fast ungefiltert auf die Erde fallen. Etwas Schlimmes muss passiert sein, wenn Peter Whish-Wilson in der Degustierkabine seines Weingutes sitzt, und etwas ihm Tränen in die Augen treibt. "Die Sache", sagt er, "zerreißt unsere Bevölkerung." Whish-Wilson ist ein nüchterner Mann, schwer aus der Ruhe zu bringen. Er war Investmentbanker. Er hat jahrelang in Hongkong, Sydney und Melbourne für die Deutsche Bank Millionendeals gezeichnet. Er sagt, sie leben hier im Paradies. Noch. "Tourismus, Weinanbau schaffen Arbeitsplätze; sie nutzen und erhalten gleichzeitig, was uns wichtig ist: die Natur, die Umwelt." Schon alleine deshalb ergebe "das Projekt keinerlei Sinn".

Das Projekt. Die einheimische Holzfirma Gunns Ltd., ein börsennotiertes Großunternehmen, will auf der australischen Insel die größte Papiermühle der Welt bauen. Sie soll Papierbrei für den asiatischen Markt herstellen, wo sie auf das große Geschäft hofft.

Das Problem, sagt Whish-Wilson, ist der Ort. Am Ufer des Tamar-Flusses, neben einer Holzschnitzelfabrik der Firma. Nur einen Steinwurf entfernt, auf der anderen Seite des Flusses, liegen Dutzende Rebberge. Einige der besten Weine Australiens werden dort angebaut. Zwischen den Reben weiden Kühe, liegen Bio-Bauernhöfe und kleine Hotels. Die Gegend ist eines der wichtigsten Touristenziele Tasmaniens.

Trotzdem, die Mühle muss her, findet John Gay. "Damit würden die Forstreserven Tasmaniens wertvermehrend genutzt und 2500 Arbeitsplätze geschaffen. Das sind 2500 Familien, die durch die Rezession getragen werden." Gay, ein öffentlichkeitsscheuer älterer Herr mit stabilem Scheitel, führt Gunns Ltd., Sitz in Launceston, seit Mitte der 80er-Jahre. Sein Wort hat Gewicht. Das Unternehmen, 1200 Angestellte, ist einer der größten Arbeitgeber Tasmaniens. Der Chef hat beste Kontakte zur Regierung. Mit den Medien redet Gay selten, Journalisten lässt er an eine Public-Relations-Firma verweisen.

Gay will, dass die Bagger anrollen, noch in diesem Jahr. Die Baugenehmigung hat er. Für ihn geht es jetzt nur noch darum, woher er das Geld bekommt. Er braucht 2,2 Milliarden australische Dollar, gut 1,2 Milliarden Euro.

Sein Gegner ist eine kuriose Allianz. Sie besteht aus Wilden, die auf die Straße gehen, um zu demonstrieren. Aus Menschen wie Peter Whish-Wilson, dem wohlhabenden Sohn einer konservativen Familie, der in Anlageberatung macht und nebenbei Wein anbaut. Aus Männern wie dem Bergführer Bob McMahon, der einfach seine Heimat liebt, und jungen, gut organisierten und weltweit vernetzten Aktivisten wie Paul Oosting.

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