Umweltschonende Produkte und Produktion Weiße Biotechnologie bringt der Industrie Wettbewerbsvorteile

Seite 2 von 2:



Manche Marktbeobachter warnen vor überzogenen Prognosen. Doch Großkonzerne zeigen, wohin die Reise geht, indem sie beeindruckende wirtschaftliche und ökologische Vorteile der industriellen Biotechnologie bewiesen und sie serienmäßig einsetzen (siehe Kasten). Sie kann nicht nur der Chemie- und Pharmabranche dienen sondern auch der Textil-, Spielzeug-, Kosmetik-, Papier-, Lebensmittel- und Automobilindustrie sowie der Energiebranche für Biokraftstoffe. Der Maschinenbau kann durch die Nachfrage nach Fermentationsmaschinen profitieren.

In jüngster Zeit gab es mehrere technische Durchbrüche, wodurch das Entwicklungstempo nun den Wettstreit mit klassischen Methoden erlaubt. „Vorzeigbare Ergebnisse sind oft in sechs Wochen erhältlich und die Umsetzung kann weniger als sechs Monate betragen – damit passt die Biotechnologie in Planungszeitraster und Kostenrahmen der Industrien“, erläutert Zinke. Zudem steht die Massenfertigung mit Hilfe von Mikroorganismen erst am Anfang. Von rund vier Millionen Mikrobenarten ist erst ein Bruchteil erforscht. Nur 5000 wurden in Labors kultiviert und erst 130 Enzyme werden industriell eingesetzt. „Das Potenzial ist riesig“, resümiert Miriam Nagel, Analystin bei Technical Insights.

Der europäische Branchenverband EuropaBio in Brüssel rechnet durch zunehmende Konkurrenzfähigkeit und steigende Nachfrage mit einer zusätzlichen Wertschöpfung von bis zu 22 Mrd. Euro bis 2010. Sie werde je zur Hälfte aus Kostensenkungen und Produktinnovationen resultieren.

Nachhaltig produzieren – darum geht es:

Win-win-Situation: BASF benötigt für Vitamin B2-Herstellung nur einen biologischen Prozess statt zuvor sechs chemische Schritte und senkte die Kosten um 40 Prozent. Die niederländische DSM verringerte Energie- und Materialverbrauch zur Herstellung eines Antibiotikums um je 65 Prozent und die variablen Kosten um die Hälfte. Die dänische Novoenzymes ersetzte eine heiße alkalische Lösung zur Textilreinigung durch ein Enzym, wodurch die Kosten um 20 Prozent sanken, die Wasserbelastung um 60 Prozent und der Energieverbrauch um ein Viertel.

Vielfältiger Nutzen: Cargill Dow stellt einen Biokunststoff her, der die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen um bis zur Hälfte und die Treibhausgasemissionen um bis zu vier Fünftel verringert. Die US-Konzerne Dupont und Genencor entwickelten kompostierbare Kunststoffe, Biopolymere genannt. Sie sind verwendbar für Kleidung, CD-Spieler und anderen Gebrauchsgütern.

Vorsprung sichern: Noch hat Europa laut Branchenkennern die Nase vorne. Durch die kürzlich bekannt gegebene Übernahme der in den USA notierten Genencor durch die dänische Danisco verstärkt sich diese Position. Genencor ist Nummer zwei bei Enzymen nach Novoenzymes. In Europa werde weiße Biotechnologie aber unterschätzt und anders als in den USA kaum gefördert, warnt EuropaBio. Europa müsse aufpassen, nicht auch bei dieser Technologie von den USA überholt zu werden. Die EU hat die Forschungsmittel sogar eingeschränkt. Das Bundesministerium für Forschung startete unlängst die Förderung zwölf nachhaltiger Produktionsprojekte mit 14 Mill. Euro.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%