Umweltschonende Produkte und Produktion
Weiße Biotechnologie bringt der Industrie Wettbewerbsvorteile

Die zu den weltweit führenden Waschmittelherstellern gehörende Henkel KGaA will künftig auch bei weniger als 30 Grad porentief reine Wäsche waschen. Neuartige Hochleistungsenzyme sollen dafür sorgen.

HB BERLIN. Dazu gingen die Düsseldorfer jetzt eine Forschungskooperation mit der Brain AG aus Zwingenberg ein. Die Firma ist spezialisiert auf „weiße Biotechnologie“, die Nutzung von Mikroorganismen wie Bakterien, Pilzen und Hefen für Produkte und Prozesse in der Industrie.

Erstmals sollen waschaktive Enzyme (Eiweisssstoffe) aus nicht kultivierten oder nicht-kultivierbaren Bakterien gewonnen und marktreif gemacht werden. „Direkt aus Bodenproben isolieren wir Genmaterial von Organismen, bringen es in andere Bakterien ein und diese stellen dann das gewünschte Enzym her“, beschreibt Mikrobiologe und Brain-Chef Holger Zinke das Verfahren.

Bisher arbeiten Enzyme optimal bei 30°C bis 60°C. Durch bei niedrigeren Temperaturen aktive Enzyme können Chemiezusätze, Waschtemperatur und Wasserverbrauch deutlich verringert werden. Das hat auch hohe kommerzielle Bedeutung: Henkel will seine Produkte noch wettbewerbsfähiger machen. „Ich verspreche mir aber auch ganz neue Anwendungen der weißen Biotechnologie für andere Produktgruppen“, sagt Wolfgang Gawrisch, Leiter Forschung und Technologie bei Henkel.

Anteil erhöht sich bis 2010 um 20 Prozent

Als Vorreiter erforscht der Konzern seit langem für verschiedene Verschmutzungen spezifisch wirkende Enzyme, integriert sie in Wasch- und Geschirrspülmittel und nutzt ökonomische und ökologische Vorteile der weißen Biotechnologie. Reinigungsmitteltonnen schrumpften zu kleinen Kartons mit Tabletten. Das bedeutet: weniger Rohstoffe, weniger Chemie, weniger Verpackung, vereinfachte Prozesse, niedrigere Kosten - und ein viel schonenderer Umgang mit Ressourcen und Wasser bei Herstellung und Anwendung.

Schon 2001 forderten OECD und EU-Kommission die Industrie auf, derartige Verfahren verstärkt für ein nachhaltigeres, verantwortungsvolleres Wachstum zu nutzen. Montag und Dienstag widmet sich ein Kongress in Berlin der weißen Biotechnologie als Erfolgsstrategie für eine nachhaltige Chemieindustrie. Was die Mikroben alles können und welche wirtschaftliche Bedeutung sie haben, ist weithin unbekannt. Denn anders als bei der „roten“ medizinischen Biotechnologie finden Innovationen weniger in börsennotierten Jungfirmen statt, sondern unauffällig, aber bedeutsam in Großkonzernen. „BASF mit Vitamin B2, Degussa mit Futtermittelzusatz Lysin und Henkel mit Waschmittelenzymen machen mit diesen Produkten in Deutschland mehr Umsatz und wohl mehr Gewinn als alle hier entwickelten und produzierten Produkte der roten Biotech zusammen“, verdeutlicht Zinke. Es gibt auch ein gutes Dutzend kleinerer Spezialisten.

Mithilfe biotechnischer Verfahren entstehen weltweit allein in der Chemie fast fünf Prozent aller Substanzen. Das entspricht 35 Mrd. Euro Umsatz. Dieser Anteil werde sich bis 2010 auf bis zu 20 Prozent vervielfach, erwarten Experten der Unternehmensberatungen McKinsey und Capital Festel. Das entspräche einem Umsatz von 310 Mrd. Dollar, rechnet Jens Riese, Mitautor einer McKinsey-Studie vor. Analysten von Technical Insight sagen voraus, dass dann sogar 60 Prozent aller Feinchemikalien biotechnisch entstehen.

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