Umweltschutz als Wettbewerbsvorteil und Verkaufsargument
Siemens setzt auf Wiederverwertung

Deutsche Unternehmen kennen sich aus im Umweltschutz. Doch die meisten setzen erst an, wenn es zu spät ist. Sie bauen Filter in Schornsteine, reinigen Abwässer, versuchen gebrauchte Produkte umweltschonend zu entsorgen. Warum aber entwickeln sie nicht Produkte, die für dieselben Zwecke wiederverwendet werden können? Dann würden weniger Rohstoffe verbraucht, weniger Emissionen entstehen und wertvolle Materialien nicht zu Parkbänken verarbeitet. Das würde die Umwelt schützen und den Unternehmen Millionen einsparen.

ERLANGEN. Dass dies funktionieren und sogar neue Geschäftsfelder eröffnen kann, macht die Medizintechnik von Siemens vor. Sie berücksichtigt schon bei Produktplanung und Produktdesign, wie die Geräte zerlegt und nachgerüstet werden können. „Bei unseren Medizinischen Anlagen und Geräten können inzwischen 99% aller Materialien wiederverwendet werden“, berichtet Freimut Schröder, Leiter Umweltschutz der Medizintechnik. Damit liegt die Sparte an der Spitze des Konzerns und weit vorne in der Branche, sagen Experten. Seit drei Jahren verkauft sie überdies runderneuerte Computertomographen gewinnbringend.

„Es ist fortschrittlich, wenn Unternehmen einen integrierten Kreislauf schaffen“, lobt Claudia Kruse, Senior Analystin bei Isis Asset Management, einem der größten britischen Vermögensverwalter. „Siemens Medizintechnik zeigt, dass sich nachhaltiges Wirtschaften auszahlt.“ Das sei aus Aktionärssicht positiv, weil es die Recyclingkosten senke, das Risiko mindere und Gewinne bringe. Viele Unternehmen würden die voraussichtlich ab Anfang 2005 geltende Rücknahmepflicht für Elektro- und Elektronikschrott zu sehr auf die leichte Schulter nehmen. Bevor die Medizintechnik ihr Konzept änderte, war die Erkenntnis nötig, dass Umweltschutz immer nur die Probleme ausbügelt, an die bei der Produktspezifikation und dem Design nicht gedacht wurde. „80 % aller umweltrelevanten Entscheidungen fallen spätestens beim Produktdesign“, zitiert Schröder das Ergebnis einer Branchenstudie.

Der Physiker wollte eine integrierte Produktpolitik (IPP) etablieren, die von Anfang an umweltrelevante Aspekte und Auswirkungen berücksichtigt und die Verantwortung für alle Lebensphasen des Produkts übernimmt. „Wollen wir unsere Produkte künftig noch absetzen, muss der Preis stimmen, als auch die Umweltbelastung gering sein.“ Krankenhäuser zum Beispiel achteten zunehmend auf niedriger Energie- und Entsorgungskosten. Wer hier die Nase vorne habe, habe einen Wettbewerbsvorteil.

„Außerdem: warum muss ein Röntgensystem heute noch bis zu 34 verschiedene Antriebssysteme haben und aus 15 verschiedenen Kunststoffen bestehen? Wenn man die Wiederverwertung von Anfang an berücksichtigt, vereinfachen sich viele Prozesse. Das spart Zeit und Geld.“

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